River Whyless – Kindness, A Rebel (2018)

Die Zutaten waren auf dem Debüt vor zwei Jahren schon da. Aber erst auf diesem zweiten Album gelingt es River Whyless wirklich, ihren facettenreichen Stilmix in einen unwiderstehlichen Sound zu verwandeln.

River Whyless

Erschienen am 12. Juli 2018 auf House Arrest / Roll Call
Tipp: Konzert am Montag, den 26. November im Karlstorbahnhof Heidelberg

Manchmal braucht man als Band Impulse von außen, um so richtig in Fahrt zu kommen. 2016 hatten River Whyless ihr erstes Album „We All The Light“ veröffentlicht, leider mit mäßigem Erfolg. Dabei hatte es durchaus seine Stärken: Eingängige Melodien trafen auf bisweilen exotische Rhythmen und einen folkigen Bandsound, der in Sachen Zusammenspiel mit akustischen Instrumenten schon damals über jeden Zweifel erhaben war. Es fehlte ein wenig das Gefühl der Überzeugung und Dringlichkeit, die Platte wirkte insgesamt fast ein bisschen unbeteiligt daher gespielt. Doch dann kam auch für die Band aus Ashville in North Carolina der Schock durch die Präsidentschaftswahlen und damit das Bedürfnis, mit der Musik eine ganz klare, starke Aussage zu treffen. So etwas kann durchaus in die Hose gehen, im Falle von River Whyless aber führt es dazu, dass die Einzelteile plötzlich wie ein Uhrwerk ineinander greifen.

Das Musikvideo zur Single „Born in the right country“ auf Youtube:

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Plötzlich macht alles Sinn: Die weltoffene Zutatenliste, die melancholische Grundstimmung und das extrem reflektierte Songwriting ergeben den bislang vielleicht wertvollsten musikalischen Kommentar zur fortschreitenden Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, die Europa inzwischen nicht nur im übertragenen Sinne betrifft. Und anders als bei dezidiert politischen Songs fehlt bei River Whyless nie die Leichtigkeit, die das Ganze erträglich und hörenswert macht. Handfeste Agitation und gehässige Rechthaberei ist ihre Sache nicht, der irgendwie doch uramerikanische Sound scheint eher auf Versöhnung und Verständigung aus zu sein. Und so fällt auch nicht weiter negativ auf, dass der Rest des Albums erneut recht unterschiedlich ausgearbeitet wurde. Hier blubbern nervöse Synthies, dort lassen die afrikanischen Rhythmen von Paul Simons Graceland-Phase grüßen. Aber das alles hat jetzt nicht nur Sinn und Zweck, sondern scheint im Gegensatz zum Debüt um eine fest verwurzelte Band-Identität zu kreisen. Das Ergebnis ist eine Platte, die sehr viel Freude macht und dank des fantastischen Zusammenspiels auch ein spektakuläres Live-Erlebnis verspricht.

Das ganze Album auf Spotify:

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Ähnliche Platten:
Sunflower Bean – Twentytwo in blue (2018)
Sam Evian – You, Forever (2018)
Natalie Prass – The Future and the Past (2018)

The Saxophones – Songs of the Saxophones (2018)

Auf dem Debüt des Duos namens The Saxophones gibt es glücklicherweise nur wenig Saxofon, dafür aber jede Menge delikate Songs voller schwüler Urlaubsstimmung.

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Erschienen am 1. Juni 
2018 auf Full Time Hobby

Wenn ich ein Instrument hasse, dann das Saxofon. Natürlich gibt es auch geile Saxofon-Solos und sogar wahnsinnig geile Platten, in denen das Saxofon eindeutig die Hauptrolle spielt. Aber spätestens als eine meiner Mitbewohnerinnen mit fast 25 Jahren noch unbedingt Saxofon lernen wollte und regelmäßig meine ruhigen Nachmittage zersägte, war ich nicht mehr gut auf das Instrument zu sprechen. Ich recherchierte und fand heraus, dass man es im 19. Jahrhundert erfand, weil die herkömmlichen Blasinstrumente allein für die immer größer werdenden Konzerthäuser nicht mehr laut genug waren. Aha, dachte ich mir, und zementierte meine Vorurteile. Warum eine sehr leise Band nun ausgerechnet nach einem Werkzeug zur akustischen Kriegsführung benannt ist, war mir dementsprechend erst mal rätselhaft und ich begegnete der Musik auch mit einer gewissen Skepsis.

Das Musikvideo zur Single „Mysteries Revealed“ auf Youtube:

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Umso größer war natürlich die Begeisterung angesichts des extrem delikaten Klangbilds, in dem die Songs auf diesem Album ineinander verschwimmen wie die Farben in einem Aquarell. Aus dem pastellfarbenen Hintergrund treten zunächst schemenhaft, dann immer klarer werdend Assoziationen auf, die sehr bewusst und extrem detailverliebt eingefädelt wurden. Exotika aus den 50ern, Aloha-Pop aus den 60ern, Easy Listening aus den 70ern: The Saxophones komponieren aus fast völlig in Vergessenheit geratenen Zutaten einen unerwartet stimmigen Rahmen für ihre miniaturenhaften Songs, die sich meistens auch auf winzige Ausschnitten und beiläufige Momentaufnahmen aus ihrem Leben als musizierendes Ehepaar beschränken. Beschränkung ist hier tatsächlich wieder ein mal das ganz große Zauberwort, dass aus spartanischen Arrangements und einem eigentlichen schematischen musikalischen Konzept ein großartiges Album für ruhige Stunden entstehen lässt.

Das ganze Album auf Spotify:

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Ähnliche Alben:
Art Feynman – Blast Off Through The Wicker (2017)
Michael Nau – Mowing (2016)
Michael Nau – Some Twist (2017)

 

Marla & David Celia – Daydreamers (2018)

Marla hat 2016 ein vielversprechendes Debüt abgeliefert, David Celia hat schon vier beachtliche Alben auf dem Buckel. Gemeinsam gelingt ihnen eine Platte voller Nostalgie und Herzenswärme, die im Folk-Bereich ganz oben mitspielt.

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Erschienen am 17. August 2018 auf Elite Records
Release Show am 20. September 2018 präsentiert von The Soft Rock Cafe

Schon das Debüt-Album der aus Heidelberg stammenden Marla war gewissermaßen eine Kollaboration der beiden. Ihre sinister in die Tiefe blickenden Songs auf „Madawaska Valley“ wurden durch David Celias Produktion deutlich aufgehellt, die schwerelose Gitarrenarbeit fügt dem Ganzen eine gewissen schwebende Leichtigkeit hinzu. Auf seiner letzten Platte „Double Mind“ zeigte sich der Kanadier scharfzüngig und humorvoll wie eh und je, allerdings schlichen sich auch melancholische und sogar wehmütige Gedanken in so manchen Refrain. Folgerichtig wirkt das erste gemeinsame Album der beiden wie ein gemeinsames musikalisches Erweckungserlebnis. Plötzlich ist da diese emotionale und harmonische Balance, welche die Songs noch mal auf eine ganz andere Ebene hebt.

Das Musikvideo zu Heart Like A Dove auf Youtube:

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Die gemeinsame Arbeit an den Songs begünstigt eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit, die aktuell nicht viele traditionsbewusste Folkplatten aufweisen. Beide Künstlerpersönlichkeiten sind in ihrer jeweils eigenen Identität jederzeit präsent. Wer sie kennt und aufmerksam zuhört, kann förmlich mitverfolgen, wie sie mit einander tanzen, streiten, sich versöhnen und manchmal auch erschöpft zu Boden sinken. Das ist fast ein bisschen wie bei Lennon und McCartney, aber mit weniger Egos und viel mehr Liebe. Ganz abgesehen von diesem ganzen romantischen Gedöns besteht „Daydreamers“ aber auch einfach aus elf verdammt gute Songs, die jeder für sich eine eigene kleine Geschichte erzählen und als Ganzes zu einer eigenen Welt zusammenwachsen. Ein fantastisches Album für eine Fahrt auf der Landstraße, für ein Frühstück auf dem Balkon oder für einen gemütlichen Abend auf der Couch – einfach Musik, die alles Gute und Schöne am Leben kanalisiert, auffängt und behutsam konserviert. Danke dafür.

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Ähnliche Alben:

Bonny Doon – Long Wave (2018)
Twain – Rare Feeling (2017)
The Deslondes – The Deslondes (2015)

Michael Nau – Michael Nau & The Mighty Thread (2018)

Schon im dritten Jahr in Folge veröffentlicht Michael Nau mitten im Sommer ein komplettes Album. Das neueste Werk überzeugt vor allem durch die Emanzipation seiner Band „The Mighty Thread“ von der reinen Begleitung seiner Folksongs zu einem Impulsgeber in Sachen Groove.

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Erschienen am 3. August 2018 auf Full Time Hobby

Man kann inzwischen die Uhr danach stellen: Jedes Jahr mitten im Sommerloch bringt Michael Nau eine neue Platte heraus und Bandcamp kürt sie kurzentschlossen zum Album of the day. Das geht jetzt schon seit 2016 so und kann auch gerne so weitergehen. Denn der Erfolg dieser Veröffentlichungen beruht nicht primär auf dem Mangel an Neuerscheinungen in der Sommerpause, sondern auf der enormen musikalischen Qualität. Ob mit seinen Bands Cotton Jones und Page France oder Solo unter eigenem Namen: Jeder Song von Michael Nau hat Hand und Fuß, aber vor allem auch ein Herz und eine Seele. Auf den letzten beiden Platten überwog noch eine scheinbar unüberwindbare, sonnengebleichte Melancholie. Nun fühlt man sich hier und da fast schon wie bei einer zwar immer noch ziemlich entspannten, aber durchaus feuchtfröhlichen Gartenparty mit Tanzorchester.

Das Musikvideo zur Single „On Ice“ auf Youtube:

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Wie der Albumtitel schon sagt, verschiebt sich der Fokus von der Songwriting-Essenz noch ein wenig mehr in Richtung Band. Eine gewisse Funkyness stellt sich im instrumentalen Bereich ein, die Michael Nau auch gesanglich aufgreift. Schon auf der letzten Platte „Some Twist“ outete sich der ehemalige Folkie als Besitzer einer amtlichen Soulstimme, getragen von den ausladenden Grooves lässt er sie nun noch häufiger raus. Zudem lichtet sich der Nebel aus Hall und Lo-Fi-Knistern wieder ein wenig und gibt den Blick frei auf die außerordentlich detaillierten und geschmackvollen Arrangements. Da schleichen leise Orgeln und wabernde Synthies im Hintergrund umher, lateinamerikanische Percussions lockern die stoischen Schlagzeugrhythmen ein wenig auf und elektrische Vibrato-Gitarren überbieten sich gegenseitig mit lapidaren Solos. Und so perfektioniert Michael Nau erneut die vergessene Kunst, ein Album zu machen, das an einem heißen Sommertag einfach vorbeirauscht und doch einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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Ähnliche Alben:

Michael Nau – Some Twist (2017)
Michael Nau – Mowing (2016)
Kevin Kratuer – Toss Up (2018))

PHV Pop Up Studio: Zehn Sessions, Zehn Songs, Zehn Tage Utopie beim Metropolink Festival 2018

Ein Künstlerdorf als Stadt der Zukunft – dieser Idee widmet sich das PHVision Project, eine Kooperation zwischen dem Metropolink Festival und der IBA Heidelberg. Doch es geht nicht nur um Street Art und urbane Kunst: Im PHV Pop Up Studio werden an zehn Tagen zehn Lieder aufgenommen und zehn kleine Konzerte gespielt.

 

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San Jacinto Drive 14 – eine Adresse wie aus einem Hollywood-Film. Doch was nach einer Promi-Siedlung über den Hügeln von LA klingt, ist in Wirklichkeit ein leerstehender Straßenzug neben der A5 zwischen Heidelberg und Schwetzingen. Hier hat die U.S. Army in den Fünfzigern das Patrick Henry Village geschaffen, ein kleines Stück amerikanische Kleinstadt-Idylle, komplett mit geschwungenen Straßen, den obligatorischen Hofeinfahrten und freistehenden, strahlend weißen Einfamilienhäusern mit Garten und Garage. Nach vielen Jahren im Dornröschenschlaf wird es langsam ernst, die Internationale Bauausstellung Heidelberg hat große Pläne für einen Stadtteil der Zukunft. Doch erst mal soll das PHVision Project in Zusammenarbeit mit dem Metropolink Festival das Gelände künstlerisch erschließen, vor allem mit Street Art und Musik.

Da Kunst im urbanen Raum im Idealfall ein paar Jahre überdauern kann, Musik aber sofort verflogen ist, gab es von Anfang an den Wunsch nach einer Aufzeichnung der Konzerte. Daraus entstand schließlich die Idee eines Pop Up Studio, in dem Bands am Tag ihres Auftritts einen Song aufnehmen können. Festival-Leiter Pascal Baumgärtner verrät: „Wir wollten ein physisches Ergebnis haben, ein Stück Musik, das hier auf dem Festival entsteht. Ein Tape kann man zu Hause aufbewahren wie einen Katalog zur Ausstellung. Das zeigt auch eine gewisse Wertschätzung für die Musik, die viel mehr ist als ein akustischer Soundtrack zur Kunst.“ Dass für ein solches Projekt auf Anhieb keine internationalen Bands engagiert werden konnten, versteht sich von selbst. Ist aber gar nicht schlimm, denn in Heidelberg und Umgebung gibt es genug Menschen, die ihr Leben der Musik widmen und die Teilnahme mehr als verdient haben.

Und so ist ein Programm entstanden, das sich aus technischen Gründen zwar auf akustisch geprägte Musik konzentriert, aber dennoch jede Menge Abwechslung und auch einige Überraschungen bereithält. Da gibt es alte Hasen und junge Talente, Rampensäue und Proberaum-Weltmeister, traditionalistische Gitarrenmusik, lateinamerikanische Einflüsse und auf den ersten Blick unpassendes wie Drumcomputer und wabernde Synthesizer. Doch wie damals in Los Angeles, als sich der berühmte California Sound entwickelte, wird auch die entspannte Atmosphäre im San Jacinto Drive dafür sorgen, dass sich die unterschiedlichen Elemente zu einer eigenen kleinen musikalischen Welt zusammenfügen. Gerade auf das Team kommt da natürlich die Mammutaufgabe zu, neben dem Recording-Marathon jeden Abend auch noch ein kleines Konzert zu betreuen, das je nach Wetter im Wohnzimmer der Studiovilla oder im Garten stattfinden wird. Allerdings ist die Vorfreude groß und alle Beteiligten können es kaum abwarten, endlich loszulegen. Hier das volle Programm, die jeweiligen Facebook-Events mit mehr Infos sind als Links hinterlegt:

Do 19.7. Dominik Baer
Fr 20.7. Zelia Fonseca
Sa 21.7. Alexander Maisenhelder
So 22.7. Gringo Mayer (Solo)
Mo 23.7. Alex Auer
Di 24.7. Harrison McClary
Mi 25.7. Bal (XX)
Do 26.7. Koku & Pyne
Fr 27.7. Wild Mustang
Sa 28.7. SIM

Alle Konzerte beginnen um 21 Uhr
Eintritt frei / Pay what you want
Infos & Wegbeschreibung

Australierinnen, die ungestimmte Fuzzgitarren spielen: Die Trends aus der ersten Halbzeit des Jahres

Wie schnell die Zeit vergeht. Schon wieder ist ein halbes Jahr vorbei und in diesem Zeitraum ist eine unfassbare Vielzahl von großartigen Platten erschienen. Zeit, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen und einige Beobachtungen festzuhalten.

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Kaum hat man die Weihnachtsplatten ausgepackt und im Regal einsortiert, nähert sich schon wieder mit Riesenschritten das garstige Sommerloch. Bevor wir alle in den wohlverdienten Sommerurlaub gehen, ist also erst noch ein kurzes Zwischenfazit nötig. Denn auch das Musikjahr rauscht ganz gerne mal an einem vorbei, ohne das irgendwelche konkreten Charakteristika hängen bleiben. Kein Wunder bei der Unmenge an Veröffentlichungen und der unfassbaren stilistischen Bandbreite.

Aber es gibt da schon ein paar Dinge, die sich irgendwie gehäuft haben. Und zwar in einem solchen Maße, dass die meisten Beispiele sogar für mehrere der entdeckten Trends gültig sind. Um es kurz zu machen: Die Fantasie-Band der Stunde besteht aus jungen Frauen und Männern aus Australien, spielt ungestimmte Gitarren durch ein Fuzzpedal und hat ein Lyric Video mit politisch motivierten Texten veröffentlicht. Das gibt es in der Konstellation zwar noch nicht komplett, aber Phantastic Ferniture (Bild) könnten es mit ihrem Ende Juli erscheinenden Debüt-Album tatsächlich noch schaffen…

1. Anti-Tune

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Nach dem im Mainstream ohne Auto-Tune fast nichts mehr geht und auch der Rap-Underground exzessiven Gebrauch von künstlicher Intonation macht, kann man im Indie-Bereich seit neuestem eine Gegenbewegung ausmachen. Einfussreiche Produzenten wie Sam Evian verbannen Tuning-Pedale aus dem Studio und lassen damit eine leichte Verstimmung der Gitarren zu. Plötzlich kann man dann auch wieder in der Gesangskabine dreckig intonieren, ohne dass es gleich schief klingt wie bei der unfähigen Schülerband von nebenan.

Beweismaterial:
Sam Evian – You, Forever (2018)
Buck Meek: Buck Meek (2018)
L.A. Salami – The City of Bootmakers (2018)

2. Das Lyric Video

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Ein Musikvideo zu drehen bedeutet enormen Aufwand und kostet einen dicken Arsch voll Geld. Beides Dinge, die bei den lustigen Musikanten von heute nicht von den Bäumen wachsen. Schließlich verdient man mit der Musik so gut wie nichts, also tourt man die Hälfte des Jahres um die Welt und schafft sich den Rest der Zeit in versifften Bars den Buckel rund. Andererseits ist es auch gähnend langweilig, die geile neue Single einfach mit dem Albumcover als Standbild hochzuladen. Diesem Dilemma verdanken wir den endgültigen Durchbruch des Lyric Videos, einer wunderbaren Vernunftehe zwischen HD Stock Footage und kostenlosen Video-Apps mit Textfunktion.

Beweismaterial:
Rolling Blackouts Coastal Fever: Hope Downs (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)
River Whyless – Kindness, A Rebel (2018)

3. Australien

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Wenige Länder sind in den vergangenen Jahren auf der Coolness-Skala so dermaßen abgesunken wie Australien. War das Auswandern nach „Down Under“, das Anfeuern der „Socceroos“ und der Verzehr von Zitronenbier aus dem Hause „Two Dogs“ vor wenigen Jahren noch das Maß aller Dinge, so ist das Work&Travel-Halbjahr nach dem achtjährigen Abitur heute so etwas wie der Big Mac unter den spätpubertären Party-Sabbaticals. Ein Glück, dass die Musikszene des fünften Kontinents vehement zurückschießt: Die zeigt nämlich gerade den Amerikanern, wie man knackigen Folk-Rock für den Highway macht ohne sich in Retro-Klischees zu verheddern. Und dabei ist das wirkliche neue Album von The Paper Kites noch gar nicht erschienen, „On the train ride home“ war nur ein Teaser.

Beweismaterial:
Rolling Blackouts Coastal Fever: Hope Downs (2018)
The Paper Kites – On the train ride home (2018)
Phantastic Ferniture – Phantastic Ferniture (2018)

4. Frauen

 

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Können Frauen im Trend liegen? Darf man das sagen oder ist das schon impliziter Sexismus, getarnt als heuchlerisches Wohlwollen eines männlichen Kritikers? Fakt ist: Ausgerechnet abseits des Mainstreams hat die Musikszene in den vergangenen sechs Jahrzehnten eine ziemlich üble Sausage Party gefeiert. In einer Band spielen und auf Tour gehen, das war bis weit in das 21. Jahrhundert hinein noch fast ausschließlich eine sogenannte „Männersache“. Wenn schon Frau dann bitteschön als Solokünstlerin mit wohlfeilen Gitarrenakkorden und einem zarten Stimmchen, begleitet von ein paar – selbstverständlich männlichen – Mucker-Veteranen. Und deshalb ist es erfreulich, das so viele Frauen in Bands spielen, Bands gründen, gleichberechtigte Duo-Partner sind oder echte Bandleader werden. Vor allem, da die Ergebnisse qualitativ so überzeugend sind, dass selbst die unverbesserlichen Sexisten unter den Kritikern mal ordentlich das Maul gestopft bekommen.

Beweismaterial:
Halo Maud – Je Suis Une Île (2018)
Sunflower Bean – Twentytwo in blue (2018)
Natalie Prass – The Future and the Past (2018)

5. Der Fuzz ist zurück

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Wollen wir uns jetzt wirklich auf diese zugegebenermaßen ziemlich nerdige Ebene herablassen und über Gitarren-Effekte reden? Ja, wollen wir. Müssen wir! Denn nachdem letztes Jahr jeder Akkord in mehreren Hektolitern psychedelische Chorus-Marinade eingelegt wurde, kann man in diesem Jahr die Wiedergeburt des eigentlich unschönsten aller Verzerrungs-Sounds beobachten. Fuzzzzz – der Name sagt alles über den Klang. Der Sound entstand schon Ende der Fünfziger, allerdings nicht durch die Überhitzung von Röhren, sondern durch einen wirklich kaputten Verstärker. Zunächst tauchte er ausgerechnet in der Country-Musik auf, dann auch im Surf-Rock, später bei den Beatles und ihren Nachahmern. In den 70ern wurde der Effekt dann durch die Entwicklung von „besser“ klingenden, knackigeren Verzerrern verdrängt und fiel für ein paar Jahrzehnte in einen mehr oder weniger tiefen Dornröschenschlaf. Höchste Zeit für ein fröhlich sägendes Revival im weitgefächerten Spektrum der traditionsbewussten Rockmusik von heute.

Beweismaterial:
Dr. Dog – Critical Equation (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)
Marla & David Celia – Daydreamers (2018) / Coming soon!

6. Politik

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Nach der Machtübernahme durch Trump war die Verunsicherung in der extrem liberal eingestellten Indie-Szene Amerikas groß. Was kann, darf, soll oder muss ich musikalisch und textlich tun, um mich zu einem freiheitlich-demokratischen Amerika zu bekennen? Zu diesem Zeitpunkt wartete allerdings schon ein Jahresvorrat an absolut unpolitischer Wohlfühlmusik auf seine Veröffentlichung, kritische Stimmen warfen den Musikern Eskapismus und eine innere Emigration in nostalgische Gefühle vor. Ein schwachsinniger Gedanke angesichts der Planungszeiträume in der Musikindustrie, schließlich dauert die Reise von der Idee im Kopf zur Platte im Regal in der Regel mindestens ein Jahr. Konnte man gegen Ende des vergangenen Jahres durchaus schon den ein oder anderen politischen Unterton heraushören, häufen sich in diesem Jahr die eindeutigen Statements ziemlich eindeutig. Das ist uneingeschränkt zu begrüßen, denn wenn wir heute eins nicht brauchen dann ist es Kunst, die sich in die Inszenierung einer heilen Welt flüchtet und vor der Realität die Augen verschließt.

Beweismaterial:
Natalie Prass – The Future and the Past (2018)
Okkervil River – In the Rainbow Rain (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)

Halo Maud – Je Suis Une Île (2018)

Viele Bands und auch Sängerinnen veröffentlichen aktuell hypnotischen Psychedelic Pop mit Vintage Synthies und ganz viel Chorus. Trotzdem gelingt es Halo Maud auf ihrem Debüt, sich in diesem Feld klar von der Masse abzusetzen.

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Erschienen am 25. Mai 2018 auf Heavenly

Wenn Halo Maud über einen rollenden Beat auf französisch singt, weckt sie Assoziationen mit Desireless. Wenn sie über eine Synthiefläche englisch singt, erinnert ihre Stimme eher an Kate Bush oder Karin Dreijer von The Knife. Die Pariserin ist aber nicht nur Sängerin, sondern auch Multi-Instrumentalistin und ihre eigene Produzentin. Und deshalb hat auch ihre Musik diese besondere Aura der grenzenlosen Fantasie, die nur entstehen kann, wenn Ideen ganz individuell zu Ende gedacht werden.

Das Musikvideo zur Single „Wherever“ auf Youtube:

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Insgesamt dominieren musikalisch die Einflüsse aus Halo Mauds Heimatland Frankreich und viele der Songs haben geradezu cineastische Qualitäten. Hier gibt es durchaus Synergien, schließlich haben französische Komponisten wie Francis Lai ab den 60ern des vergangenen Jahrhunderts die internationale Filmmusik revolutioniert, nicht zuletzt mit psychedelischen Soundtracks zu Softpornos. Halo Mauds Kompositionen klingen teilweise wie Soundtracks zu retrofuturistischen Zeichentrickfilmen, oft aber auch wie die stylische Fahrstuhlmusik der Belmondo-Schinken in den 70ern. Vor allem aber sind sie voller Details, nehmen stilistisch auch weitere Reisen in Kauf und bekommen am Ende doch immer die Kurve in Richtung Popsong. Unterm Strich ein fantastisches Debüt, das nicht nur frankophilen Popnerds viel Freude bereiten dürfte.

Das ganze Album auf Spotify:

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Rolling Blackouts Coastal Fever: Hope Downs (2018)

Die Australier von Rolling Blackouts Coastal Fever haben mit zwei gefälligen, aber eher bodenständigen EPs nicht wirklich für große Aufmerksamkeit gesorgt. Das dürfte sich mit ihrer ersten LP schnell enden, denn nur ganz wenige Debüts sind hinsichtlich Durchschlagskraft und Tiefe derart ausgereift.

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Erschienen am 15. Juni 2018 auf Sub Pop

Wenn der Bandname nicht mal ganz auf das Cover passt, sollten eigentlich alle Warnleuchten angehen. Doch nach ein paar Takten ist der Name auf jeden Fall gespeichert, Rolling Blackouts Coastal Fever beweisen nämlich mit absolut unwiderstehlicher Vehemenz, dass Post Punk noch lange nicht tot ist. Irgendwie verhedderte sich die Szene zuletzt zunehmend in unwichtigen Details, wurde lärmiger und näherte sich so für den äußeren Betrachter wieder dem barbarischen Sound an, den sie eigentlich hinter sich lassen wollte. Mit Rolling Blackouts Coastal Fever tritt jetzt eine junge australische Band auf den Plan, die nicht nur Television und Joy Division gehört hat, sondern sich offensichtlich auch mit auf den ersten Blick nicht unbedingt verwandten Strömungen wie College Rock und Jangle Pop auseinandergesetzt hat.

Das Musikvideo zu An Air Conditioned Man auf Youtube:

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Das geht gut ins Ohr und dank der gnadenlos durchgeschrammelten Akustikgitarre auch direkt in die Beine. Natürlich wird das atemberaubende Tempo nicht über das ganze Album aufrechterhalten, durchaus aber die lyrische Griffigkeit und die unverwechselbar umeinander gewundenen Leadgitarren. Auch wenn die Songs nicht gleich auf eingängie Refrains abzielen, bleiben die entscheidenden Phrasen spätestens nach dem dritten Durchlauf felsenfest im Ohr hängen. So beweisen Rolling Blackouts Coastal Fever eindrucksvoll, dass richtig guter Indie Rock ursprünglich mal keine dreckig aufgeraute Popmusik war, sondern eine unendlich verfeinerte Variante von Punk. So schaffen es die Australier, ein nicht unbedeutendes Genre neu zu erfinden und ganz nebenbei erstaunlichen Tiefgang mit unmittelbarem Hörvergnügen unter einen Hut zu bringen. Aufgrund der enormen atmosphärischen Dichte erscheint die Platte wie eine kleine Welt für sich und bewirbt sich damit für die Position als Debüt, wenn nicht sogar Album des Jahres.


Das ganze Album auf Spotify:

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Kevin Krauter – Toss Up (2018)

Als Bassist der grandiosen Band Hoops ist Kevin Krauter bereits positiv in Erscheinung getreten. Sein erstes eigenes Album besticht mit großartigem Songwriting, faszinierenden Arrangements und einem unglaublich entspannten Vibe.

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Erschienen am 15. Juni 2018 auf Bayonet Records

In vielen guten Bassisten schlummert ein sehr guter Solokünstler: Vor kurzem erst hat Jackson MacIntosh von TOPS gezeigt, wie man die tragende Rolle im Hintergrund erfolgreich gegen das Rampenlicht am Mikrofon eintauschen kann. Auch Kevin Krauter kann sich rühmen, zum einzigartigen Sound seiner Band Hoops mehr beizutragen als nur ein unauffälliges Fundament an Grundtönen. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich der junge Mann aus Indiana nun endlich zusammengerissen hat und uns nach zwei halbärschig veröffentlichten EPs endlich ein gescheites Album serviert. Im Vergleich zu Hoops ist der Sound noch mal deutlich entspannter ausgefallen, und das obwohl sich der Weichzeichner-Nebel aus endlosen Hallfahnen und Tape-Echos durchaus etwas verzogen hat.

Das Musikvideo zu Keep Falling In Love auf Youtube:

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Kevin Krauter legt deutlich mehr Wert auf klanglich Transparenz, auch wenn das Endergebnis immer noch weit weg ist von einer modernen Hochglanzproduktion. Die ganze Platte hätte ohne weiteres Mitte der Siebziger entstehen können und wäre dann wahrscheinlich auf Asylum Records oder einem anderen Klassiker-Label erschienen. Aber keine Angst, es bleibt nicht allein bei seichtem Retro-Gedudel und nostalgischen Glücksgefühlen. Denn die Songs haben durchaus Ecken und Kanten, vor allem textlich und auf instrumentaler Ebene. Insgesamt bleibt es dennoch vor allem ein sehr gefälliges Debüt-Album, das sich als Begleitmusik zu einem guten Frühstück auf dem Balkon besonders gut eignet.

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Mit gerade mal 22 Jahren pro Nase haben Sunflower Bean nun schon das zweite beachtliche Album auf dem Kerbholz. Die frühreife Abgezocktheit des Debüts weicht auf der neuen Platte einer fieberhaften Suche nach dem perfekten Song.

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Erschienen am 23. März 2018 auf Lucky Number

Was macht man, wenn man 22 Jahre alt ist und in einer Band spielt? Normalerweise eifert man vor allem seinen großen Vorbildern nach. Und obwohl Sunflower Bean mit ihrem Debütalbum vor zwei Jahren eigentlich schon bewiesen hatten, dass sie stilistisch eigentlich schon erwachsen sind, arbeiten sie sich jetzt doch noch auf altersgerechte Weise an ihren Helden ab. Damit ist natürlich in erster Linie die Stammbesetzung von Fleetwood Mac Mitte der Siebziger gemeint, die Konsens-Legenden unserer Generation und Inspirationsquelle von gefühlt jeder zweiten Platte, die im Moment erscheint.

Das Musikvideo zu I was a fool auf Youtube:

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Das muss man sich erst mal trauen, so haarscharf an einem bahnbrechenden Song wie „Dreams“ vorbeizukomponieren. Aber irgendwie gelingt das Annäherungsmanöver, und das liegt vor allem an der Tatsache, dass in der Umlaufbahn von diesem Song jede Menge Platz ist für Trabanten. Das ist keine Parodie und kein Ideenklau, sondern eine Hommage. Und so ist es nicht nur verzeihlich, sondern auf seine ganz eigene Art charmant, wie Sunflower Bean ein ganzes Album lang um die gigantischen Fußstapfen von Fleetwood Mac herumtänzeln. Denn dabei liefern sie ganz beiläufig eine Platte ab, die trotz der allgegenwärtigen stilistischen Referenzen ihre ganz eigene Dynamik entwickelt. Im Pop ging es noch nie wirklich um Originalität, heute geht es vielleicht sogar um das Ausmerzen derselben. Sunflower Bean beweisen auf sympathische Weise, dass dieser Trend nicht zwangsläufig zu belanglosen Ergebnissen führt.

Das ganze Album auf Spotify:

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