5 Highlights, die du beim Maifeld Derby 2017 leider verpassen wirst

Wie es sich für ein Festival gehört, ist es auch beim Maifeld Derby 2017 unmöglich, alle Bands zu erleben, die man unbedingt erleben muss. Um euch die Entscheidungen noch schwerer und die Versäumnisse noch schmerzhafter zu machen, habe ich ein paar besondere Härtefälle zusammengestellt. Gern geschehen!

tops-klein
TOPS fielen 2015 der Mittagssonne zum Opfer. Foto: Carina Huber / Marsmädchen

Jeder kennt das: Da hat man monatelang Line-Ups verglichen und schließlich schweren Herzens eine Niere vertickt, um genug Kohle für ein Ticket und den Rest zu haben. Und dann spielen ausgerechnet die zwei allerliebsten Lieblingsbands gleichzeitig auf den am weitesten voneinander entfernten Bühnen. Aber es gibt noch andere Gründe, die ersehnten Konzerterlebnisse zu verpassen. Vom Stau auf der Autobahn über die Schlange bei der Einlasskontrolle bis hin zur Alkoholvergiftung, deren Folgen am nächsten Tag und zu schönes oder zu schlechtes Wetter – das Repertoire ist grenzenlos. Bei Tops aus Kanada kamen 2015 so ziemlich alle Gründe zusammen, weshalb ich das Konzert auf der Fackelbühne bei strahlendem Sonnenschein um 14 Uhr gefühlt alleine genießen konnte. Und natürlich gibt es auch dieses Jahr ein paar heiße Kandidaten für den ultimativen Versäumnis-Fail:

1. Heim (D)
Freitag, 23.00 Uhr im Brückenaward-Zelt

Was verpasse ich da?
Ein paar junge Männer aus der bayrischen Provinz, die nicht nur mit ihrem Album “Palm Beach” (Tapete Records) den deutschsprachigen Post Rock neu erfunden haben, sondern auch eine der elektrisierendsten Livebands sind, die es im Moment gibt.

Warum verpasse ich das?
Vermutlich, weil du dich mit ein paar attraktiven Personen zum parallel angesetzten Bilderbuch-Konzert im Palastzelt verabredet hast und sie vergeblich “zwischen der zweiten und der dritten Säule” suchst.


2. Ryley Walker (USA)
Samstag, 22.10 Uhr im Parcours d’amour

Was verpasse ich da?
Stell dir vor, Van Morrison hätte kurz nach der Veröffentlichung von Astral Weeks einen Dreier mit Donovan und Nick Drake gehabt, und aus dieser Liebesnacht wäre ein gemeinsamer Sohn der drei hervorgegangen. Anders ist die Existenz von Ryley Walker nicht zu erklären.

Warum verpasse ich das?
Vielleicht bist du am Samstag um die Uhrzeit gerade so in Fahrt, dass du keine Lust hast, auf der Sitzplatztribüne des Reitstadions gemütlich zu chillen. Höchstwahrscheinlich suchst du aber immer noch nach diesem “Parcours d’Amour” und fragst dich, ob damit vielleicht die Flirtzone vor den Dixieklos gemeint sein könnte.


3. Mitski (USA)
Sonntag, 14.00 Uhr auf der Fackelbühne

Was verpasse ich da?
Eine japanischstämmige Singer/Songwriterin aus New York, die trotz ihres zarten Alters von gerade mal 26 Jahren auf vier großartige LPs zurückblicken kann und deshalb aus einer unglaublichen Menge von immer noch aktuellem Material die besten Festivalsongs herauspicken kann.

Warum verpasse ich das?
Vermutlich ist es am Samstagabend nicht bei zehn leckeren Maurerbomben von der Weschnitztaler Braumanufaktur geblieben. Natürlich hast du auf dem Rückweg noch alte Freunde getroffen, die dich dann überredet haben, auf einen Absager in die beliebte Kneipe “Zur Wüste” mitzukommen. Am Sonntag wachst du dann so gegen 15.00 Uhr auf und schaffst es leider nicht vor dem Schlussakkord von Spoon um 16.30 Uhr, einen halbwegs festivalkompatiblen körperlichen Zustand zu erreichen.


4. Whitney (USA)
Sonntag, 14.40 Uhr im Palastzelt

Was verpasse ich da?
Manche würden sagen: Vielleicht die beste Band des Festivals. Andere würden sagen: Nix. Auf jeden Fall verpasst du den vielleicht besten Schlagzeuger, der gleichzeitig Leadsänger seiner Band ist und so eine unglaubliche Dynamik in den folkigen bis souligen Indierock zaubert. Also vielleicht schon eher die beste Band des Festivals.

Warum verpasse ich das?
Sagen wir mal, du hast es tatsächlich geschafft, am Samstag bei fünfeinhalb Bier aufzuhören, vor drei Uhr ins Bett zu gehen und am Sonntag rechtzeitig aufzustehen und das Gelände zu erreichen. Willst du dich dann an einem strahlend schönen Nachmittag wirklich in das dunkle Palastzelt begeben? Ich nicht. Aber für Whitney mach ich’s wahrscheinlich doch.



5. Andy Shauf (CAN)

Sonntag, 19.30 Uhr im Parcours d’amour

Was verpasse ich da?
Schau dir das Video an, hör dir an was die spielen und vor allem wie. Andy und seine Freunde sind nämlich nicht nur die größten Nerds aller Zeiten, sondern spielen unfassbar ausgefuchsten Folk-Rock, der Beiläufigkeit und Perfektionismus auf ungeahnte Weise zusammenbringt.

Warum verpasse ich das?
Also dafür gibt es nun wirklich überhaupt keine ernstzunehmende Ausrede, oder musst du etwa deinen Papa zu seiner gleichzeitig auf der Fackelbühne spielenden Lieblingsband Primal Scream begleiten? Wir wollen es mal nicht hoffen…


Natürlich sind die meisten Versäumnisse vermeidbar. Alles eine Frage der Disziplin, Organisation und sorgfältigen Abwägung. Aber wollen wir auf einem Festival diszipliniert und organisiert sein oder irgendetwas sorgfältig abwägen? Nein, wir wollen uns vollsaufen, zufällig neue Bands entdecken und den ein oder anderen sozialen Moment erleben – was auch immer das im einzelnen heißen mag. Und dabei kommt zwangsläufig heraus, dass wir auch mal etwas verpassen, dass uns dann hinterher alle als heißesten Scheiß aller Zeiten unter die Nase reiben. Das ganze Leben ist nicht viel mehr als eine unendliche Aneinanderreihung von Versäumnissen, jedenfalls wenn man seinen Fokus auf die verpassten Gelegenheiten richtet.

Vielleicht werde ich mich irgendwann damit abfinden, aber dafür ist auch noch nächste Woche Zeit. Bis dahin genieße ich erst mal, wie ein Bessesener den Timetable zu studieren und die wichtigsten Bands als Termin mit Vorwarnung in mein Handy einzugeben. Noch habe ich nix verpasst!


Disclaimer: Dieser Artikel beabsichtigt nicht, Kritik an der Planung des Festivals zu führen. Überschneidungen und die Platzierung von attraktiven Bands in unattraktiven Slots sind bei einer Programmgestaltung in dieser Größenordnung unvermeidlich.

Big Thief – Capacity (2017)

Nur ein Jahr nach ihrem überragenden Debütalbum bringen Adrienne Lenker und ihre Freunde schon die zweite Platte heraus. Wenn sie weiterhin so gute Songs schreibt, darf das Quartett diesen Rhythmus gerne beibehalten.

MI0004251250

VÖ: 9.6.2017 auf Saddle Creek
Klingt fast ein bisschen wie: Angel Olson, PJ Harvey, Mitski
Stichworte: Nachts / Regen / Whisky / Alleine

Es ist etwas ungewöhnlich, dass eine Band weniger als ein Jahr nach ihrem Debüt ein zweites Album veröffentlicht. Wer die Produktionszeiträume kennt, kann sich denken, dass große Teile des Nachfolgers schon vor der Veröffentlichung des Erstlings im Kasten gewesen sein müssen. Die Sängerin Adrienne Lenker erklärte das in Interviews mit einem kreativen Knoten, der im Studio geplatzt sei. Als das erste Album fertig eingespielt war, hatte sie schon wieder ein gutes Dutzend Songs im Kopf und wollte einfach weiter aufnehmen, bevor es wieder auf Tour ging. Als im April mit Erscheinen der Vorabsingle Mythological Beauty auch gleich das neue Album angekündigt wurde, war die Überraschung groß. Und gleichzeitig musste man befürchten, dass die Band sich verzockt hatte, denn der Song ist ein wenig langatmig, sehr düster und passte mit seinem winterlichen Video überhaupt nicht zur Frühlingsstimmung vor Ostern.

Mit dem Erscheinen der zweiten Single Shark Smile deutete sich dann aber bereits an, dass Big Thief da weitermachen, wo sie aufgehört hatten. Und nun machte auch die erste Vorabsingle Sinn, denn offensichtlich ging es bei der Auswahl vor allem darum, die Entwicklung der Band exemplarisch darzustellen. Die traditionell geschulte, aber extrem kreative Gitarrenarbeit trägt weiterhin die mehr oder weniger folkigen Indie-Rocksongs, die jeweils passend zu den poetisch formulierten Gedanken und Geschichten im Text sowohl melancholisch als auch euphorisch ausfallen können. Doch die dunklen Farben sind noch dunkler geworden und die hellen noch heller, die Intimität und Intensität der Texte ist noch extremer.

Eine schonungslose Auseinandersetzung mit sich selbst in der Musik wirkt bei vielen Künstlern befremdlich, nicht so aber in diesem Fall. Denn obwohl Adrienne Lenker erst 25 Jahre alt ist, hat sie schon eine Menge erlebt und musste sich alle Freiheiten, die ein Leben als Musiker verlangt, hart erkämpfen. Die tragischen Seiten ihrer fast romanhaften Vita, aber auch das große Glück, das sie in ihrer Arbeit erfährt, spiegelt sich in jedem Ton und jedem Takt der Musik wieder. Und wenn es so weitergeht mit der Inspiration, darf sie mit Big Thief gerne jedes Jahr ein neues Album veröffentlichen.

Tops – Sugar at the Gate (2017)

2014 gelang den Mädels und Jungs von TOPS auf ihrem zweiten Album mit sonnigem Gitarrenpop der internationale Durchbruch. Inzwischen haben sie sich noch mal deutlich weiterentwickelt, glücklicherweise ohne ihre ansteckende Leichtigkeit einzubüßen.

MI0004237818

VÖ: 2.6.2017 auf Arbutus
Klingt fast ein bisschen wie: Fleetwood Mac, Tennis, Widowspeak
Stichworte: Nachmittags / Sonne / Kaffee / Mit Freunden

Drei Jahre Pause, ein Besetzungswechsel, ein Umzug aus der Heimat nach LA. Das sind nicht gerade die idealen Umstände für eine Band, um an den plötzlichen Erfolg mit einem grandiosen, aber auch sehr unbekümmerten Album wie Picture You Staring anzuknüpfen. Die Befürchtung lag nahe, dass sich die Truppe um Jane Penny verzettelte, dass sie sich vom Leben in der Großstadt ablenken ließ oder, noch schlimmer, alles ganz anders und womöglich schlechter zu machen als zuvor. Mit dem Erscheinen der zuckersüßen Vorab-Single Petals waren aber alle Zweifel schnell eliminiert. TOPS haben das Kunststück fertig gebracht, sich treu zu bleiben und trotzdem noch besser zu werden.

Und auch das Album hält was es verspricht: Superentspannter Gitarrenpop und intelligentes Songwriting treffen auf eine gesunde Portion schräge Ideen, die nicht nur in den Videos, sondern auch in den Texten und den Arrangements ihr unterhaltsames Unwesen treiben. Das ist einerseits grundsympathisch, andererseits aber auch ein notwendiger Gegenpol zu der Unmenge an musikalischem Honig, der einem entgegenfließt. Dabei ist die Produktion merklich rauer und weniger in sepiafarbene Vintage-Hallfahnen getaucht als bisher, der Gesang ist entweder hochaufgelöst direkt in unserem Ohr oder kommt leicht verzerrt aus dem Nebenraum. Clevere Kontraste dieser Art geben dem Ganzen eine erstaunliche Tiefe, die immer wieder zum erneuten Hören einlädt. Ein überzeugendes Album und ein nächster Schritt einer unglaublich talentierten Band auf dem langen Weg aus der Indie-Nische in die erste Liga der avancierten Popmusik für Erwachsene.

Amber Coffman – City of No Reply (2017)

Bei den Dirty Projectors kämpfte Amber Coffman mit David Longstreth um Ausrichtung der Band. Er wollte Experimente, sie wollte Pop. Das führte eine Weile zu einer fruchtbaren kreativen Spannung, zuletzt aber zur Trennung. Nachdem Longstreth im Februar ein Soloalbum veröffentlichte, meldet sich nun auch Coffman zu Wort.

0004719817

VÖ: 2.6.2017 auf Columbia

Klingt fast ein bisschen wie: Dirty Projectors, Amy Grant, Minnie Riperton
Passt gut zu: Morgens / Kaffee / Sonne / Zu zweit

Jahrelang war Amber Coffman ein Teil von Dirty Projectors, einer sehr einflussreichen Indieband aus Brooklyn. Mit der privaten Trennung von Mastermind David Longstreth folgte vor kurzem gleichzeitig auch der musikalische Split. David durfte den gut eingeführten Namen der Band behalten und veröffentlichte im Februar ein neues Album, das sich vom gemeinsam entwickelten Sound in Richtung experimentelle Elektronik entfernt.

Amber Coffman war schon immer vor allem für eingängige Songs und emotionale Momente zuständig, deshalb ist ihr Solodebüt erwartungsgemäß auch ein waschechtes Popalbum. Auffällig ist ihre immer wieder durchscheinende Liebe zum klassischen Soul, die im Kontext der Dirty Projectors nur sehr vage zu erkennen war. Vor allem aber gelingt es ihr, wahnsinnig gute Songs zu schreiben, die wie kleine Kurzgeschichten auf extrem geistreiche Art von den Höhen und Tiefen des Single-Lebens erzählen. Ein Album, das nicht nur die Trennung Amber Coffmans von ihrem Partner und ihrer Band verarbeitet, sondern auch ihre künstlerische Emanzipation.

Fünf brandneue Alben für den Sommer

Von Juli bis September tut sich auch auf dem Musikmarkt ein Sommerloch mit epischen Ausmaßen auf. Aber keine Sorge, allein im Juni kommen so viele tolle Platten heraus, dass man damit locker bis zum Herbst durchhält. Viele Bands wollen nämlich unbedingt noch neue Musik veröffentlichen, bevor es richtig losgeht mit der Festivalsaison. 

img_4269

Irgendwann hat es mal ein schlauer Kopf von einer großen Plattenfirma gemerkt: Die Leute kaufen einfach viel weniger Musik, wenn sie sich irgendwo am Strand von der Sonne rösten lassen. Wenn man im Sommer in einen Plattenladen geht, sind in dem Regal mit den Neuerscheinungen deshalb oft genauso wenige Scheiben wie Wolken am blauen Himmel.

Das heißt aber nicht, dass im Sommer weniger Musik gehört wird. Gerade auf Reisen ist ein gutes Album immer noch eine der schönsten und beliebtesten Arten, sich die Zeit zu versüßen, egal ob im Autoradio oder mit Kopfhörern im Flugzeug. Und wer nicht wegfahren kann, nutzt vielleicht ab und zu die sommerliche Einsamkeit im Büro, um die Computerboxen mal richtig aufzudrehen und einen akustischen Kurzurlaub anzutreten. Damit ihr in jedem Fall gut über den Sommer kommt, sind die Neuerscheinungen für Juni im Soft Rock Café schon mal vorab hoch und runter gelaufen und dabei haben sich ein paar besonders heiße Tipps herauskristallisiert.

1. TOPS – Sugar at the gate

Um ihr drittes Album aufzunehmen, ist die bezaubernde Jane Penny mit ihren Jungs extra aus der Indie-Metropole Montreal nach LA gezogen. Das hat sich gelohnt, denn ihr Gitarrenpop klingt luftiger und sonniger denn je, auch wenn die Texte keineswegs so oberflächlich sind, wie es die sorglose Musik der Band vielleicht beim ersten Hören vermuten lässt. Das perfekte Album für einen Nachmittag am Strand oder für diesen Moment im Büro, wenn man einfach mal die Augen schließt um von einer einsamen Insel zu träumen.

Das Album und einen ausführlichen Artikel findet ihr ab dem 2.6.2017 hier!

2. Big Thief – Capacity


Wer sich von melancholischer Musik leicht runterziehen lässt, sollte sich dieses Album vielleicht eher für den letzten Urlaubstag aufheben. Denn Adrienne Lenker aus Brooklyn und ihre detailverliebte Band machen nicht nur wunderschöne Rockmusik mit einem Hauch Folk, sondern befassen sich auch mit tiefschürfenden Fragen nach dem Sinn der menschlichen Existenz und kommen dabei nicht nur zu positiven Schlussfolgerungen. Aber dennoch oder auch gerade deswegen ist Capacity ein geniales Album, zum Beispiel für eine weintrunkene Nacht auf dem Balkon.

Das Album und einen ausführlichen Artikel findet ihr ab dem 9.6.2017 hier!

3. Michael Nau – Some Twist

Michael Nau ist einer dieser klassischen Slackertypen, die keinen Gedanken an ihre Karriere verschwenden und lieber mit viel Herzblut ein Album nach dem anderen veröffentlichen. Diese entspannte Herangehensweise ans Leben ist für einen Moment lang extrem ansteckend, wenn er mit tiefer Stimme seine verhallten Folkperlen vorträgt. Da entsteht eine unglaublich dichte Atmosphäre, die ganz ähnlich wie Big Thief eher in ein nächtliches Setting passt, aber deutlich hoffnungsvoller in die Zukunft blicken lässt.

Das Album und einen ausführlichen Artikel findet ihr ab dem 16.6.2017 hier!

4. Fleet Foxes – Crack-up

Die Fleet Foxes muss man eigentlich nicht mehr groß vorstellen. Es versteht sich von selbst, dass dieses Album nicht nur von vielen Musikhörern und Fans, sondern auch innerhalb der Musikszene sehnlichst erwartet wird. Jeder will wissen, was die vielleicht einflussreichste Folkband unserer Zeit als nächstes macht, welche künstlerischen Richtungsentscheidungen getroffen werden. Auf jeden Fall gibt es wieder mehr traditionelle Klänge und sehr ausschweifende Songs, weshalb sich das Album zum Beispiel hervorragend dazu eignet, eine längere Autofahrt durch ländliche Gebiete zu untermalen.

Das Album und einen ausführlichen Artikel findet ihr ab dem 16.6.2017 hier!

5. The Deslondes – Hurry Home

Wer schon von der geringsten Prise Pedal Steel und Mundharmonika einen allergischen Schock bekommt, sollte von dieser Platte die Finger lassen. Leider ist die Country-Phobie gerade in Deutschland weit verbreitet, sodass die Vielfalt dieser gigantischen Musikwelt und Bands wie The Deslondes aus New Orleans hier weitestgehend unbeachtet bleiben. Das ist schade, denn die Jungs knüpfen nahtlos an ihr fantastisches Debüt-Album an und schenken uns den perfekten Soundtrack für eine Grillparty mit alten Freunden, viel Barbecuesoße und noch mehr Bourbon auf Eis.

Das Album und einen ausführlichen Artikel findet ihr ab dem 23.6.2017 hier!

Natürlich ist das nur eine ganz kleine Auswahl von vielen tollen Platten, die im Juni auf uns zukommen werden. Darunter gibt es große Namen wie Alt-J, London Grammar, Phoenix, Sufjan Stevens, Tindersticks und Saint Etienne, aber auch Geheimtipps wie Algiers und Kevin Morby. Ich werde natürlich versuchen, euch hier jede Woche so gut es geht auf dem Laufenden zu halten und noch weitere Alben für den Sommer für euch zu aufzuspüren. Und für alle Fälle gibt es ja auch noch das mittlerweile recht stattliche Archiv, in dem sich aktuelle Veröffentlichungen der letzten Monate aber auch wiederentdeckte Scheiben aus lange vergangenen Zeiten verstecken. Für Musik ist also reichlich gesorgt, jetzt müsst ihr nur noch die Getränke eurer Wahl kaltstellen und den Sommer genießen.

Daniel Romano – Modern Pressure (2017)

Daniel Romano aus Ontario ist eine Art Phantom in der kanadischen Folkrock-Szene. Mit seinem siebten Album könnte er es endlich schaffen, sich auch international zu etablieren.

ModernPressure

VÖ: 19.5.2017 auf New West
Klingt fast ein bisschen wie: The Band, The Faces, The Weakerthans
Stichworte: Abends / Sonne / Bier / Freunde

Als Multi-Instrumentalist hat man es nicht leicht, denn musikalische Ideen gerecht zu verteilen ist oft ein Kampf, der ja auch in Bands immer wieder ausgefochten werden muss. Daniel Romano hat auf seinen ersten sechs Alben im Bereich Arrangement seinen Talenten als Instrumentalist hier und da zu viel Zugeständnisse gemacht und damit immer wieder von seinen Qualitäten als Songwriter abgelenkt. Auf Modern Pressure zeigt er aber schon in den ersten paar Liedern eindrucksvoll, dass er auch songdienlich agieren kann, ohne dabei gleichförmig und eintönig zu klingen.

Und so rockt er sich zu 90% an der Gitarre durch ein Album, das aufgrund seiner unverbrauchten Frische klingt wie ein sehr gutes Debütalbum von einer Band, die gerade in der Garage den Schalter umgelegt hat und plötzlich, ohne selbst zu verstehen warum, mit traumwandlerischer Sicherheit und Spielfreude zusammenkommt. Und das ist nicht die schlechteste Visitenkarte für einen Mittdreißiger, der schon einige Alben und Tours auf dem Buckel hat, ohne wirklich den Durchbruch zu schaffen.

Aldous Harding – Party (2017)

Aldous Harding aus Neuseeland hat auf ihrem zweiten Album einen Riesensprung gemacht. Ihre minimalistisch arrangierten Folksongs sind nicht nur extrem leise und dunkel, sondern auch dynamisch und voller Leben.

Party

VÖ: 19.5.2017 auf 4AD
Klingt fast ein bisschen wie: Nico, Weyes Blood, Andy Shauf
Stichworte: Nachts / Regen / Rotwein / Alleine

Neuseeland ist immer noch ein bisschen das unentdeckte Land der englischsprachigen Popwelt. Aldous Harding wird das nicht alleine ändern können, aber der berechtigte Hype um ihr zweites Album Party ist zumindest mal wieder so etwas wie ein Lebenszeichen. Während ihr selbstbetiteltes Debüt 2015 noch unter dem etwas gekünstelten Etikett “Gothic Folk” gelitten hatte, ist ihr mit Songs wie Imagining My Man der Übergang zu einer selbstbewussten Künstlerpersönlichkeit gelungen.

Wäre da nicht diese glasklare, mikroskopisch genaue Produktion, könnte diese Musik direkt aus der dunkleren Hälfte der britischen Folkszene aus den 60ern kommen. Ein guter soundtechnischer Kniff, um übertriebene Retromanie zu vermeiden und nicht nur den besonderen Charakter von Aldous Hardings Stimme und Phrasierung, sondern auch die extrem detailverliebte Kammer-Instrumentierung und die daraus resultierende Intimität herauszuarbeiten. So gelingt ein Album, dass den anhaltenden Trend zu altmodischer Hallsuppe und Lo-Fi mutig links liegen lässt und trotzdem oder gerade deshalb mit seiner zeitlosen Schönheit aus der Masse der Veröffentlichungen in diesem Bereich herausragt.

Merken