PHV Pop Up Studio: Zehn Sessions, Zehn Songs, Zehn Tage Utopie beim Metropolink Festival 2018

Ein Künstlerdorf als Stadt der Zukunft – dieser Idee widmet sich das PHVision Project, eine Kooperation zwischen dem Metropolink Festival und der IBA Heidelberg. Doch es geht nicht nur um Street Art und urbane Kunst: Im PHV Pop Up Studio werden an zehn Tagen zehn Lieder aufgenommen und zehn kleine Konzerte gespielt.

 

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San Jacinto Drive 14 – eine Adresse wie aus einem Hollywood-Film. Doch was nach einer Promi-Siedlung über den Hügeln von LA klingt, ist in Wirklichkeit ein leerstehender Straßenzug neben der A5 zwischen Heidelberg und Schwetzingen. Hier hat die U.S. Army in den Fünfzigern das Patrick Henry Village geschaffen, ein kleines Stück amerikanische Kleinstadt-Idylle, komplett mit geschwungenen Straßen, den obligatorischen Hofeinfahrten und freistehenden, strahlend weißen Einfamilienhäusern mit Garten und Garage. Nach vielen Jahren im Dornröschenschlaf wird es langsam ernst, die Internationale Bauausstellung Heidelberg hat große Pläne für einen Stadtteil der Zukunft. Doch erst mal soll das PHVision Project in Zusammenarbeit mit dem Metropolink Festival das Gelände künstlerisch erschließen, vor allem mit Street Art und Musik.

Da Kunst im urbanen Raum im Idealfall ein paar Jahre überdauern kann, Musik aber sofort verflogen ist, gab es von Anfang an den Wunsch nach einer Aufzeichnung der Konzerte. Daraus entstand schließlich die Idee eines Pop Up Studio, in dem Bands am Tag ihres Auftritts einen Song aufnehmen können. Festival-Leiter Pascal Baumgärtner verrät: „Wir wollten ein physisches Ergebnis haben, ein Stück Musik, das hier auf dem Festival entsteht. Ein Tape kann man zu Hause aufbewahren wie einen Katalog zur Ausstellung. Das zeigt auch eine gewisse Wertschätzung für die Musik, die viel mehr ist als ein akustischer Soundtrack zur Kunst.“ Dass für ein solches Projekt auf Anhieb keine internationalen Bands engagiert werden konnten, versteht sich von selbst. Ist aber gar nicht schlimm, denn in Heidelberg und Umgebung gibt es genug Menschen, die ihr Leben der Musik widmen und die Teilnahme mehr als verdient haben.

Und so ist ein Programm entstanden, das sich aus technischen Gründen zwar auf akustisch geprägte Musik konzentriert, aber dennoch jede Menge Abwechslung und auch einige Überraschungen bereithält. Da gibt es alte Hasen und junge Talente, Rampensäue und Proberaum-Weltmeister, traditionalistische Gitarrenmusik, lateinamerikanische Einflüsse und auf den ersten Blick unpassendes wie Drumcomputer und wabernde Synthesizer. Doch wie damals in Los Angeles, als sich der berühmte California Sound entwickelte, wird auch die entspannte Atmosphäre im San Jacinto Drive dafür sorgen, dass sich die unterschiedlichen Elemente zu einer eigenen kleinen musikalischen Welt zusammenfügen. Gerade auf das Team kommt da natürlich die Mammutaufgabe zu, neben dem Recording-Marathon jeden Abend auch noch ein kleines Konzert zu betreuen, das je nach Wetter im Wohnzimmer der Studiovilla oder im Garten stattfinden wird. Allerdings ist die Vorfreude groß und alle Beteiligten können es kaum abwarten, endlich loszulegen. Hier das volle Programm, die jeweiligen Facebook-Events mit mehr Infos sind als Links hinterlegt:

Do 19.7. Dominik Baer
Fr 20.7. Zelia Fonseca
Sa 21.7. Alexander Maisenhelder
So 22.7. Gringo Mayer (Solo)
Mo 23.7. Alex Auer
Di 24.7. Harrison McClary
Mi 25.7. Bal (XX)
Do 26.7. Koku & Pyne
Fr 27.7. Wild Mustang
Sa 28.7. SIM

Alle Konzerte beginnen um 21 Uhr
Eintritt frei / Pay what you want
Infos & Wegbeschreibung

Australierinnen, die ungestimmte Fuzzgitarren spielen: Die Trends aus der ersten Halbzeit des Jahres

Wie schnell die Zeit vergeht. Schon wieder ist ein halbes Jahr vorbei und in diesem Zeitraum ist eine unfassbare Vielzahl von großartigen Platten erschienen. Zeit, ein kleines Zwischenfazit zu ziehen und einige Beobachtungen festzuhalten.

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Kaum hat man die Weihnachtsplatten ausgepackt und im Regal einsortiert, nähert sich schon wieder mit Riesenschritten das garstige Sommerloch. Bevor wir alle in den wohlverdienten Sommerurlaub gehen, ist also erst noch ein kurzes Zwischenfazit nötig. Denn auch das Musikjahr rauscht ganz gerne mal an einem vorbei, ohne das irgendwelche konkreten Charakteristika hängen bleiben. Kein Wunder bei der Unmenge an Veröffentlichungen und der unfassbaren stilistischen Bandbreite.

Aber es gibt da schon ein paar Dinge, die sich irgendwie gehäuft haben. Und zwar in einem solchen Maße, dass die meisten Beispiele sogar für mehrere der entdeckten Trends gültig sind. Um es kurz zu machen: Die Fantasie-Band der Stunde besteht aus jungen Frauen und Männern aus Australien, spielt ungestimmte Gitarren durch ein Fuzzpedal und hat ein Lyric Video mit politisch motivierten Texten veröffentlicht. Das gibt es in der Konstellation zwar noch nicht komplett, aber Phantastic Ferniture (Bild) könnten es mit ihrem Ende Juli erscheinenden Debüt-Album tatsächlich noch schaffen…

1. Anti-Tune

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Nach dem im Mainstream ohne Auto-Tune fast nichts mehr geht und auch der Rap-Underground exzessiven Gebrauch von künstlicher Intonation macht, kann man im Indie-Bereich seit neuestem eine Gegenbewegung ausmachen. Einfussreiche Produzenten wie Sam Evian verbannen Tuning-Pedale aus dem Studio und lassen damit eine leichte Verstimmung der Gitarren zu. Plötzlich kann man dann auch wieder in der Gesangskabine dreckig intonieren, ohne dass es gleich schief klingt wie bei der unfähigen Schülerband von nebenan.

Beweismaterial:
Sam Evian – You, Forever (2018)
Buck Meek: Buck Meek (2018)
L.A. Salami – The City of Bootmakers (2018)

2. Das Lyric Video

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Ein Musikvideo zu drehen bedeutet enormen Aufwand und kostet einen dicken Arsch voll Geld. Beides Dinge, die bei den lustigen Musikanten von heute nicht von den Bäumen wachsen. Schließlich verdient man mit der Musik so gut wie nichts, also tourt man die Hälfte des Jahres um die Welt und schafft sich den Rest der Zeit in versifften Bars den Buckel rund. Andererseits ist es auch gähnend langweilig, die geile neue Single einfach mit dem Albumcover als Standbild hochzuladen. Diesem Dilemma verdanken wir den endgültigen Durchbruch des Lyric Videos, einer wunderbaren Vernunftehe zwischen HD Stock Footage und kostenlosen Video-Apps mit Textfunktion.

Beweismaterial:
Rolling Blackouts Coastal Fever: Hope Downs (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)
River Whyless – Kindness, A Rebel (2018)

3. Australien

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Wenige Länder sind in den vergangenen Jahren auf der Coolness-Skala so dermaßen abgesunken wie Australien. War das Auswandern nach „Down Under“, das Anfeuern der „Socceroos“ und der Verzehr von Zitronenbier aus dem Hause „Two Dogs“ vor wenigen Jahren noch das Maß aller Dinge, so ist das Work&Travel-Halbjahr nach dem achtjährigen Abitur heute so etwas wie der Big Mac unter den spätpubertären Party-Sabbaticals. Ein Glück, dass die Musikszene des fünften Kontinents vehement zurückschießt: Die zeigt nämlich gerade den Amerikanern, wie man knackigen Folk-Rock für den Highway macht ohne sich in Retro-Klischees zu verheddern. Und dabei ist das wirkliche neue Album von The Paper Kites noch gar nicht erschienen, „On the train ride home“ war nur ein Teaser.

Beweismaterial:
Rolling Blackouts Coastal Fever: Hope Downs (2018)
The Paper Kites – On the train ride home (2018)
Phantastic Ferniture – Phantastic Ferniture (2018)

4. Frauen

 

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Können Frauen im Trend liegen? Darf man das sagen oder ist das schon impliziter Sexismus, getarnt als heuchlerisches Wohlwollen eines männlichen Kritikers? Fakt ist: Ausgerechnet abseits des Mainstreams hat die Musikszene in den vergangenen sechs Jahrzehnten eine ziemlich üble Sausage Party gefeiert. In einer Band spielen und auf Tour gehen, das war bis weit in das 21. Jahrhundert hinein noch fast ausschließlich eine sogenannte „Männersache“. Wenn schon Frau dann bitteschön als Solokünstlerin mit wohlfeilen Gitarrenakkorden und einem zarten Stimmchen, begleitet von ein paar – selbstverständlich männlichen – Mucker-Veteranen. Und deshalb ist es erfreulich, das so viele Frauen in Bands spielen, Bands gründen, gleichberechtigte Duo-Partner sind oder echte Bandleader werden. Vor allem, da die Ergebnisse qualitativ so überzeugend sind, dass selbst die unverbesserlichen Sexisten unter den Kritikern mal ordentlich das Maul gestopft bekommen.

Beweismaterial:
Halo Maud – Je Suis Une Île (2018)
Sunflower Bean – Twentytwo in blue (2018)
Natalie Prass – The Future and the Past (2018)

5. Der Fuzz ist zurück

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Wollen wir uns jetzt wirklich auf diese zugegebenermaßen ziemlich nerdige Ebene herablassen und über Gitarren-Effekte reden? Ja, wollen wir. Müssen wir! Denn nachdem letztes Jahr jeder Akkord in mehreren Hektolitern psychedelische Chorus-Marinade eingelegt wurde, kann man in diesem Jahr die Wiedergeburt des eigentlich unschönsten aller Verzerrungs-Sounds beobachten. Fuzzzzz – der Name sagt alles über den Klang. Der Sound entstand schon Ende der Fünfziger, allerdings nicht durch die Überhitzung von Röhren, sondern durch einen wirklich kaputten Verstärker. Zunächst tauchte er ausgerechnet in der Country-Musik auf, dann auch im Surf-Rock, später bei den Beatles und ihren Nachahmern. In den 70ern wurde der Effekt dann durch die Entwicklung von „besser“ klingenden, knackigeren Verzerrern verdrängt und fiel für ein paar Jahrzehnte in einen mehr oder weniger tiefen Dornröschenschlaf. Höchste Zeit für ein fröhlich sägendes Revival im weitgefächerten Spektrum der traditionsbewussten Rockmusik von heute.

Beweismaterial:
Dr. Dog – Critical Equation (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)
Marla & David Celia – Daydreamers (2018) / Coming soon!

6. Politik

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Nach der Machtübernahme durch Trump war die Verunsicherung in der extrem liberal eingestellten Indie-Szene Amerikas groß. Was kann, darf, soll oder muss ich musikalisch und textlich tun, um mich zu einem freiheitlich-demokratischen Amerika zu bekennen? Zu diesem Zeitpunkt wartete allerdings schon ein Jahresvorrat an absolut unpolitischer Wohlfühlmusik auf seine Veröffentlichung, kritische Stimmen warfen den Musikern Eskapismus und eine innere Emigration in nostalgische Gefühle vor. Ein schwachsinniger Gedanke angesichts der Planungszeiträume in der Musikindustrie, schließlich dauert die Reise von der Idee im Kopf zur Platte im Regal in der Regel mindestens ein Jahr. Konnte man gegen Ende des vergangenen Jahres durchaus schon den ein oder anderen politischen Unterton heraushören, häufen sich in diesem Jahr die eindeutigen Statements ziemlich eindeutig. Das ist uneingeschränkt zu begrüßen, denn wenn wir heute eins nicht brauchen dann ist es Kunst, die sich in die Inszenierung einer heilen Welt flüchtet und vor der Realität die Augen verschließt.

Beweismaterial:
Natalie Prass – The Future and the Past (2018)
Okkervil River – In the Rainbow Rain (2018)
Dick Stusso – In Heaven (2018)

Halo Maud – Je Suis Une Île (2018)

Viele Bands und auch Sängerinnen veröffentlichen aktuell hypnotischen Psychedelic Pop mit Vintage Synthies und ganz viel Chorus. Trotzdem gelingt es Halo Maud auf ihrem Debüt, sich in diesem Feld klar von der Masse abzusetzen.

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Erschienen am 25. Mai 2018 auf Heavenly

Wenn Halo Maud über einen rollenden Beat auf französisch singt, weckt sie Assoziationen mit Desireless. Wenn sie über eine Synthiefläche englisch singt, erinnert ihre Stimme eher an Kate Bush oder Karin Dreijer von The Knife. Die Pariserin ist aber nicht nur Sängerin, sondern auch Multi-Instrumentalistin und ihre eigene Produzentin. Und deshalb hat auch ihre Musik diese besondere Aura der grenzenlosen Fantasie, die nur entstehen kann, wenn Ideen ganz individuell zu Ende gedacht werden.

Das Musikvideo zur Single „Wherever“ auf Youtube:

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Insgesamt dominieren musikalisch die Einflüsse aus Halo Mauds Heimatland Frankreich und viele der Songs haben geradezu cineastische Qualitäten. Hier gibt es durchaus Synergien, schließlich haben französische Komponisten wie Francis Lai ab den 60ern des vergangenen Jahrhunderts die internationale Filmmusik revolutioniert, nicht zuletzt mit psychedelischen Soundtracks zu Softpornos. Halo Mauds Kompositionen klingen teilweise wie Soundtracks zu retrofuturistischen Zeichentrickfilmen, oft aber auch wie die stylische Fahrstuhlmusik der Belmondo-Schinken in den 70ern. Vor allem aber sind sie voller Details, nehmen stilistisch auch weitere Reisen in Kauf und bekommen am Ende doch immer die Kurve in Richtung Popsong. Unterm Strich ein fantastisches Debüt, das nicht nur frankophilen Popnerds viel Freude bereiten dürfte.

Das ganze Album auf Spotify:

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Rolling Blackouts Coastal Fever: Hope Downs (2018)

Die Australier von Rolling Blackouts Coastal Fever haben mit zwei gefälligen, aber eher bodenständigen EPs nicht wirklich für große Aufmerksamkeit gesorgt. Das dürfte sich mit ihrer ersten LP schnell enden, denn nur ganz wenige Debüts sind hinsichtlich Durchschlagskraft und Tiefe derart ausgereift.

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Erschienen am 15. Juni 2018 auf Sub Pop

Wenn der Bandname nicht mal ganz auf das Cover passt, sollten eigentlich alle Warnleuchten angehen. Doch nach ein paar Takten ist der Name auf jeden Fall gespeichert, Rolling Blackouts Coastal Fever beweisen nämlich mit absolut unwiderstehlicher Vehemenz, dass Post Punk noch lange nicht tot ist. Irgendwie verhedderte sich die Szene zuletzt zunehmend in unwichtigen Details, wurde lärmiger und näherte sich so für den äußeren Betrachter wieder dem barbarischen Sound an, den sie eigentlich hinter sich lassen wollte. Mit Rolling Blackouts Coastal Fever tritt jetzt eine junge australische Band auf den Plan, die nicht nur Television und Joy Division gehört hat, sondern sich offensichtlich auch mit auf den ersten Blick nicht unbedingt verwandten Strömungen wie College Rock und Jangle Pop auseinandergesetzt hat.

Das Musikvideo zu An Air Conditioned Man auf Youtube:

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Das geht gut ins Ohr und dank der gnadenlos durchgeschrammelten Akustikgitarre auch direkt in die Beine. Natürlich wird das atemberaubende Tempo nicht über das ganze Album aufrechterhalten, durchaus aber die lyrische Griffigkeit und die unverwechselbar umeinander gewundenen Leadgitarren. Auch wenn die Songs nicht gleich auf eingängie Refrains abzielen, bleiben die entscheidenden Phrasen spätestens nach dem dritten Durchlauf felsenfest im Ohr hängen. So beweisen Rolling Blackouts Coastal Fever eindrucksvoll, dass richtig guter Indie Rock ursprünglich mal keine dreckig aufgeraute Popmusik war, sondern eine unendlich verfeinerte Variante von Punk. So schaffen es die Australier, ein nicht unbedeutendes Genre neu zu erfinden und ganz nebenbei erstaunlichen Tiefgang mit unmittelbarem Hörvergnügen unter einen Hut zu bringen. Aufgrund der enormen atmosphärischen Dichte erscheint die Platte wie eine kleine Welt für sich und bewirbt sich damit für die Position als Debüt, wenn nicht sogar Album des Jahres.


Das ganze Album auf Spotify:

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Kevin Krauter – Toss Up (2018)

Als Bassist der grandiosen Band Hoops ist Kevin Krauter bereits positiv in Erscheinung getreten. Sein erstes eigenes Album besticht mit großartigem Songwriting, faszinierenden Arrangements und einem unglaublich entspannten Vibe.

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Erschienen am 15. Juni 2018 auf Bayonet Records

In vielen guten Bassisten schlummert ein sehr guter Solokünstler: Vor kurzem erst hat Jackson MacIntosh von TOPS gezeigt, wie man die tragende Rolle im Hintergrund erfolgreich gegen das Rampenlicht am Mikrofon eintauschen kann. Auch Kevin Krauter kann sich rühmen, zum einzigartigen Sound seiner Band Hoops mehr beizutragen als nur ein unauffälliges Fundament an Grundtönen. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sich der junge Mann aus Indiana nun endlich zusammengerissen hat und uns nach zwei halbärschig veröffentlichten EPs endlich ein gescheites Album serviert. Im Vergleich zu Hoops ist der Sound noch mal deutlich entspannter ausgefallen, und das obwohl sich der Weichzeichner-Nebel aus endlosen Hallfahnen und Tape-Echos durchaus etwas verzogen hat.

Das Musikvideo zu Keep Falling In Love auf Youtube:

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Kevin Krauter legt deutlich mehr Wert auf klanglich Transparenz, auch wenn das Endergebnis immer noch weit weg ist von einer modernen Hochglanzproduktion. Die ganze Platte hätte ohne weiteres Mitte der Siebziger entstehen können und wäre dann wahrscheinlich auf Asylum Records oder einem anderen Klassiker-Label erschienen. Aber keine Angst, es bleibt nicht allein bei seichtem Retro-Gedudel und nostalgischen Glücksgefühlen. Denn die Songs haben durchaus Ecken und Kanten, vor allem textlich und auf instrumentaler Ebene. Insgesamt bleibt es dennoch vor allem ein sehr gefälliges Debüt-Album, das sich als Begleitmusik zu einem guten Frühstück auf dem Balkon besonders gut eignet.

Das ganze Album auf Spotify:

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Sunflower Bean – Twentytwo in blue (2018)

Mit gerade mal 22 Jahren pro Nase haben Sunflower Bean nun schon das zweite beachtliche Album auf dem Kerbholz. Die frühreife Abgezocktheit des Debüts weicht auf der neuen Platte einer fieberhaften Suche nach dem perfekten Song.

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Erschienen am 23. März 2018 auf Lucky Number

Was macht man, wenn man 22 Jahre alt ist und in einer Band spielt? Normalerweise eifert man vor allem seinen großen Vorbildern nach. Und obwohl Sunflower Bean mit ihrem Debütalbum vor zwei Jahren eigentlich schon bewiesen hatten, dass sie stilistisch eigentlich schon erwachsen sind, arbeiten sie sich jetzt doch noch auf altersgerechte Weise an ihren Helden ab. Damit ist natürlich in erster Linie die Stammbesetzung von Fleetwood Mac Mitte der Siebziger gemeint, die Konsens-Legenden unserer Generation und Inspirationsquelle von gefühlt jeder zweiten Platte, die im Moment erscheint.

Das Musikvideo zu I was a fool auf Youtube:

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Das muss man sich erst mal trauen, so haarscharf an einem bahnbrechenden Song wie „Dreams“ vorbeizukomponieren. Aber irgendwie gelingt das Annäherungsmanöver, und das liegt vor allem an der Tatsache, dass in der Umlaufbahn von diesem Song jede Menge Platz ist für Trabanten. Das ist keine Parodie und kein Ideenklau, sondern eine Hommage. Und so ist es nicht nur verzeihlich, sondern auf seine ganz eigene Art charmant, wie Sunflower Bean ein ganzes Album lang um die gigantischen Fußstapfen von Fleetwood Mac herumtänzeln. Denn dabei liefern sie ganz beiläufig eine Platte ab, die trotz der allgegenwärtigen stilistischen Referenzen ihre ganz eigene Dynamik entwickelt. Im Pop ging es noch nie wirklich um Originalität, heute geht es vielleicht sogar um das Ausmerzen derselben. Sunflower Bean beweisen auf sympathische Weise, dass dieser Trend nicht zwangsläufig zu belanglosen Ergebnissen führt.

Das ganze Album auf Spotify:

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Natalie Prass – The Future and the Past (2018)

Ihr erstes Album wurde 2015 als eines der besten Debütalben des Jahres gehandelt. Auf der zweiten Platte macht Natalie Prass noch mal einen großen Schritt nach vorne und liefert mindestens einen richtigen Hit ab.

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Erschienen am 1. Juni 2018 auf Caroline / ATO

Zwischen doppelbödigem Indie und völlig ungeniertem Pop ist es ein schmaler Grat. Genau auf diesem wandelt Natalie Prass in den letzten Jahren wie kaum eine andere Künstlerin. Bei genauerem Hinhören ist der Fall klar, hier singt eine engagierte junge Frau nicht nur sehr schön, sondern auch äußert eloquent über die Höhen und Abgründe des Lebens im 21. Jahrhundert. Auf ihrem Debüt 2015 versteckte sich der Tiefgang noch unter einer dicken Schicht Arrangement, wie Zuckerguss legten sich Bläser und Streicher über jeden Song. Damit ist jetzt Schluss: Die Ecken und Kanten werden freigelegt und der Groove gewinnt enorm an Schärfe und Durchschlagskraft.

Das Musikvideo zu Short Court Style auf Youtube:

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Das macht schon richtig Spaß, wie Natalie Prass und ihre Band hier auf den Punkt spielen. Kaum eine Funkband in den Siebzigern hätte so etwas tighter abgeliefert, auch die absoluten Groove-Nerds von Vulfpeck würden wahrscheinlich anerkennend im Takt nicken. Ein mehr als solides Fundament, über dem Natalies schwerelose Stimme ihre Kreise ziehen kann. Extrem beweglich schwebt sie durch die Songs, meistens anschmiegsam aber an den entsprechenden Stromschnellen auch mit ausreichend Druck und Würze. Besonders beeindruckt die Performance, wenn es harmonisch etwas schräger zugeht und sich die Melodien nicht von selbst ergeben. Dann haucht Natalie Prass den bisweilen etwas sperrigen Jazz-Akkorden einfach mit ein paar Tönen den nötigen Pop-Appeal ein und sorgt damit für eine verblüffende Auflösung der musikalischen Spannung. Und mit etwas Glück könnte es trotz solcher Umwege gelingen, dieses insgesamt hervorragende Album auf dem Rücken des Hitpotentials von einigen Liedern auch mit einem gewissen kommerziellen Erfolg zu belohnen.

Das ganze Album auf Spotify:

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Ähnliche Alben:

Amber Coffman – City of No Reply (2017)
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Maifeld Derby 2018: 5 Highlights, die noch richtig underground sind

Das Maifeld Derby steht kurz bevor und die Headliner sind wohlbekannt. Aber was machen wir am Samstagnachmittag oder wenn es vor den großen Bühnen so voll wird, dass man einfach mal eine Pause vom Trubel braucht? Hier gibt es den ultimativen Guide zu den diesjährigen Geheimtipps des beliebten Festivals in Mannheim!

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Foto: Bal

Wer die Headliner und die angesagtesten Bands des Jahres sind, kann jeder auf dem Plakat ablesen. Festivals wie das Maifeld Derby leben aber auch von den Neuentdeckungen, den Außenseitern und Local Heros, die sich abseits der Rush Hour einen Wolf spielen. Es gibt nicht wenige Musikfreaks, die ihre besten Erlebnisse am frühen Nachmittag oder auf einer kleinen Bühne haben. Und das bei Konzerten von Bands, deren Namen sie zuvor niemals gehört hatten. Als kleine Motivationshilfe gibt es hier dieses Jahr deshalb die Best of never heard before: Für alle, die mehr wollen als nur ein paar Lieblingsbands an einem Wochenende zu sehen und dazwischen am Bierstand herumzulungern. Denn das reicht nicht, um in ein paar Jahren den Max zu machen und zu behaupten, dass man den Grammy-Gewinner schon damals auf dem Maifeld gesehen hat!

1. GREAT NEWS (Norwegen)

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Außer Öl und Lachs kam schon lange nichts mehr mit Substanz aus Norwegen. Mit Great News ändert sich das, denn die Jungs aus Bergen klingen wie eine Kreuzung aus The War on Drugs und den Simple Minds. Gleichzeitig mit der coolsten und der uncoolsten Bands aller Zeiten verglichen werden, ist alleine schon eine große Leistung. Noch geiler ist höchstens, dass Synthie-Bombast und treibender Panorama-Rock sich hier durchaus erfolgreich paaren und emotional für multiple Höhepunkte sorgen. Spätestens mit diesem Konzert sollte man also am Freitagabend das Wochenende einläuten!

Wann kommt der Durchbruch: Genau jetzt. Nein, jetzt. Oder doch erst jetzt.
Slot: Fackelbühne / Freitag, 18:40-19:20



2. FENNE LILY (England)

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Introvertierte Klänge kommen im Festivalkontext leider oft zu kurz. Im Zweifelsfall passt die Band mit den lauten Gitarren und dem geilen Schlagzeuger nun mal einfach besser zum Alkoholpegel. Deshalb wird es auch bei Fenne Lily weiter oben auf der Tribüne ein reges Kommen und Gehen geben, das die aufmerksam lauschenden Musikliebhaber zur Weißglut treiben wird. „Lass ma hinsetzen“ sagt da jemand und bekommt ein müdes „Nee, da penn ich ein“ zur Antwort, dann wird noch ein bisschen diskutiert, nur um letzten Endes doch wieder Richtung Mainstage bzw Bierstand zu verschwinden. Tipp: Einfach mal vorne hinsetzen, Fresse halten und zuhören!

Wann kommt der Durchbruch: Auf Spotify schon eingetütet
Slot: Parcours D’Amour / Freitag, 20:55 – 21:45


FIBEL (Mannheim)

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Wer bei diesem Song nicht anfängt zu tanzen, hat weder Herz noch Beine. Und wer bei dieser Stimme und dem euphorisierenden Vortrag nicht an die glorreichen Zeiten von Maxïmo Park denkt, hat Paradeiser auf den Ohren. Aber FIBEL sind nicht nur Mannheims Antwort auf britischen Indie-Post-Punk und Wiener Schmäh, sondern vor allem eine extrem mitreißende Live-Band. Das wird ordentlich fetzen, trotz der frühen Uhrzeit!

Wann kommt der Durchbruch: Am Samstag, den 16.6.2018 um 15 Uhr
Slot: Fackelbühne / Samstag, 14:20 – 15:00


THIS IS THE KIT (England)

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Wenn eine Wette läuft, welches das schönste Konzert auf dem Maifeld Derby 2018 wird, ist das hier wahrscheinlich der heißeste Tipp. Ein langer Tag in der Sommerhitze ist vorbei, der Sonnenuntergang hängt noch mit einem Zipfel am Horizont. Was gibt es dann besseres als einen Sitzplatz auf der Tribüne, ein kühles Bier und grandiose Folksongs zum Zuhören und Genießen? Danach steht dann fast zur Diskussion, ob man den Tag einfach abhakt und nach Hause radelt, um am Sonntag wieder früh fit zu sein.

Wann kommt der Durchbruch: Nach dem nächsten Album
Slot:
Parcours D’Amour / Samstag, 22:00 – 23:00


BAL (Heidelberg)

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Letztes Jahr haben die vier mit ihrem psychedelischen Indie-Rock beim Brückenaward den Sit-In zum Sonnenuntergang in eine wilde Tanzfläche verwandelt. Folgerichtig dürfen sie dieses Jahr auch im gleichnamigen Zelt auf dem Maifeld Derby ran, um die verkaterte Sonntags-Crowd wieder aufzurichten. Sagen wir mal so: Wenn das jemand schaffen kann, dann die sympathischen Slacker von BAL.

Wann kommt der Durchbruch: Wahrscheinlich nie, aber das ist auch gut so
Slot: Brückenaward Zelt / Sonntag, 14:40 – 15:30

Sam Evian – You, Forever (2018)

Sam Evian aus New York ist als Solokünstler 2016 mit seinem grandiosen Debüt „Premium“ in Erscheinung getreten. Das zweite Album ist noch entspannter, noch ideenreicher und noch besser geworden.

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Erschienen am 1. Juni 2018 auf Saddle Creek

Sam Owens ist nicht nur ein gefragter Sänger, Gitarrist, Produzent und Songwriter, sondern auch der Boyfriend von Model und Sängerin Hannah Cohen. Vor zwei Jahren ist er endlich auf die glorreiche Idee gekommen, all diese Funktionen als Sam Evian miteinander zu vereinen. Und da er in New York sehr gut vernetzt ist, hat er auf Anhieb ein zuverlässiges Label und kongeniale Mitmusiker gefunden, die bereits der ebenfalls empfehlenswerten Band Here We Go Magic angehören. Kein Wunder, denn seine Songs sind auf Anhieb mitreißend und eine dankbare Gelegenheit, dezent im Hintergrund mitzuschwimmen. Songorientierten Teamplayern macht so etwas einfach am meisten Spaß und das hört man auch.

Das Musikvideo zu You, Forever auf Youtube:

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Das Album ist beim ersten, unaufmerksamen Hören insgesamt eher unspektakulär und eignet sich deshalb außerordentlich gut als Hintergrundmusik beim Autofahren, im Zug oder bei der Arbeit. Wer gut aufpasst, wird aber im Minutentakt mit liebevollen Details belohnt. Hier ein leise abgemixtes und verwaschen im Hallraum verschwindendes Saxofon-Solo, dort ebenso unaufdringliche und außergewöhnliche Gesangsharmonien von Hannah Cohen, vor allem aber alle paar Sekunden ein unglaublich geschmackvolles Gitarrenschmankerl von Sam Evian höchstpersönlich. Alles in allem ist You, Forever deshalb ein fantastisches Album, das trotz der weichgezeichneten Produktion jedes mal an Schärfe gewinnt und auch noch in ein paar Jahren den perfekten Soundtrack für einen lauen Sommerabend liefern wird.

Dieses Album auf Spotify:

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Ähnliche Alben:

Bonny Doon – Long Wave
Nicholas Krgovich – In an Open Field
Bunny – Bunny

Michael Rault: It’s a New Day Tonight (2018)

Bei Michael Rault passt einfach alles zusammen: Der Schnorres, der exzessive Einsatz von Fuzz und eine Salve von Ohrwürmern mit jeder Menge Sixties-Flair.

Michael Rault

Erschienen am 18. Mai 2018 bei Wick Records

Wick Records ist das neue Rockmusik-Sublabel von Daptone. Kenner der Landschaft können sich anhand dieser Information schon relativ konkret ausmalen, wie Platten aus diesem Hause wohl klingen. Schließlich hat sich die Plattenfirma aus New York mit einer unglaublich detaillierten Annäherung an die goldenen Zeiten der Soulmusik in wenigen Jahren einen ziemlich großen Namen gemacht. Mit Michael Rault gehört jetzt ein Künstler zur Familie, der sich mit krachendem Retro-Rock schon reichlich die Hörner abgestoßen hat. Auf seinem sechsten Album geht es hier und da zwar durchaus zur Sache, aber selbst bei den rasanteren Nummern steht nun eindeutig das Songwriting im Vordergrund.

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Dabei gelingen ihm ein paar wirklich großartige Songs, allen voran der titelgebende It’s a New Day Tonight. Hier lassen natürlich eindeutig die Beatles grüßen: Michael Rault spielt Lennon und McCartney in einer Doppelrolle und für die Orchestrierung müsste sich auch ein Sir George Martin nicht schämen. Das muss man erst mal so hinkriegen, denn schon beim Covern von Songs der Fab Four merkt jeder Musiker, das sich das viel einfacher anhört als es tatsächlich ist. Gott sei Dank bleibt es aber nicht dabei, vor allem die ausreichend bissige Gitarre geht immer wieder ihren eigenen Weg. Und so gelingt Michael Rault ein extrem spielfreudiges Album, das einfach Spaß macht und sich perfekt für lange Autofahrten eignet.

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