The New Year – Snow (2017)

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VÖ: 21.4.2017 auf Undertow Music Collective
Klingt fast ein bisschen wie: Low, Red House Painters, Wye Oak
Passt gut zu: Regenwetter, Ledercouch, Rauch

Text: Mischa Kissin

Wenn Lieblingsbands nach einem guten Jahrzehnt mal wieder ein Album veröffentlichen, stellt man sich bei aller Vorfreude oft die Frage, wohin das denn führen soll. Denn eine Band, die sich eigentlich auf ihrem Legendenstatus ausruhen könnte, stellt diesen mit jeder neuen Platte in Frage. Die Gebrüder Kadane, die den Kern der Band bilden, bewiesen schon zu Zeiten des Vorgängerprojekts Bedhead, dass sich die Langsamkeit und das Innehalten manchmal auszahlen können. Nicht ganz zu Unrecht wurden sie damit in die Genreschublade „Slowcore“ gesteckt, was in Anbetracht der Frequenz ihrer Veröffentlichungen eine ganz neue Note bekommt. Vor allem bei Gruppen wie The New Year, die sich nach Außen hin vor allem durch Unauffälligkeit auszeichnen, drängt sich umso mehr die Sorge auf, dass sich hinter der neuen Veröffentlichung ein komplett aus der Reihe fallendes, liebloses Alterswerk verbirgt. Zum Glück bewahrheitet sich im Fall von ‘Snow’, Nachfolgewerk des neun Jahre zuvor erschienenen selbstbetitelten Vorgängers, keine dieser Befürchtungen.

The New Year machen auf Snow genau dort weiter, wo sie aufgehört haben: Das musikalische Fundament ist die Kombination aus langsamen Tempi und zurückhaltenden Arrangements. Der verhältnismäßig leise Gesang versteckt sich ein wenig hinter der staubtrocken aufgenommene Rhythmusgruppe und dynamischen Gitarren. Klangliche Lücken werden bewusst nicht gefüllt und wie aus dem Nichts kapselt sich manchmal das ein oder andere Gitarrensolo von der perfekten Symbiose der Instrumente ab, ohne dabei die klangliche Homogenität zu durchbrechen. Eines der Markenzeichen sind vollkommen beiläufige Taktwechsel, die zum Beispiel den titelgebenden Track prägen und schon aus der Zeit von Bedhead bekannt sind.

Dennoch gibt es Überraschungen wie zum Beispiel die wiederholte Suche nach Eingängigkeit oder den Einsatz eines Fender Rhodes. Im Kosmos einer Band, die sich durch radikalen Minimalismus auszeichnet, ist das wirklich schon sehr viel. Aber auch textlich gesehen ist melancholische Gelassenheit der entscheidende Pfeiler. Sänger und Gitarrist Matt Kadane, der inzwischen als Geschichtsprofessor tätig ist, fordert uns auf der vorab erschienenen Single „Recent History“ dazu auf, unseren egozentrischen Blick auf das Weltgeschehen zu überdenken: „There’s nothing wrong with the 21st century that wasn’t wrong with the 20th too.” Und was vor zehn Jahren auf dem letzten Album von The New Year gut und richtig war, ist heute immer noch gut und richtig.

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