L.A. Salami – The City of Bootmakers

Nach seinem sehr guten Debüt “Dancing with bad grammar” wurde L.A. Salami von der traditionell hysterischen Musikpresse Englands teilweise als neuer Bob Dylan gefeiert. Mit seinem neuen Album zeigt der Londoner, dass dieser Vergleich in mancher Hinsicht auch weiterhin gar nicht so falsch ist.

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13.4.2018 / Sunday Best

Wahrscheinlich haben die meisten Singer/Songwriter irgendwann eine Phase, in der sie dem großen Bob Dylan in der einen oder anderen Hinsicht nacheifern. Im Fall von L.A. Salamis Debütalbum waren es zum einen die surrealistisch angehauchten Geschichten voller schräger Charaktere, zum anderen der recht ungebremste Redefluss über eine energisch schrammelnde Westerngitarre, die einige Kritiker zu diesem eigentlich verbotenen Vergleich verführten. Schon die erste Single “Jean is gone” lässt aber vermuten, dass auf “The City of Bootmakers” die Textmenge zugunsten einer höheren Griffigkeit der Songs erheblich verringert wird und der groovende Bandsound eine größere Rolle spielt.

Insgesamt wird auf Albumlänge die Gitarre häufiger eingestöpselt als zuvor, es wird deutlich mehr gerockt und die Songs haben stärkere Refrains abbekommen. Das ist fast durchweg eine positive Entwicklung, denn die Reduzierung aufs Wesentliche geht selten auf Kosten des Charakters und den stilistischen Besonderheiten der Musik von L.A. Salami. Im Gegenteil, er erzählt weiterhin großartige Storys aus den Straßen, Hinterhöfen und Künstlerwohnungen Londons, die aufgrund der übersichtlicheren musikalischeren Inszenierung noch plastischer hervortreten als zuvor. Und da Dylan in seiner zweiten Schaffensphase als Rockmusiker eine ähnliche Entwicklung durchgemacht hat, gibt es durchaus wieder einen Vergleichspunkt. Gleichzeitig wird deutlich, dass man L.A. Salami mit der Fokussierung auf die dylaneske Komponente keineswegs gerecht wird. Hier reift ein selbstbewusster Künstler heran, der schon ganz am Anfang seiner Karriere eigene Fußstapfen hinterlässt und keineswegs nur in den – zweifellos viel zu großen – Spuren des Literaturnobelpreisträgers wandelt.

Hier noch ein paar andere Platten mit ähnlicher Atmosphäre:
OCS – Memory of a cut off head: Verspultes Folk-Vergnügen
Henry Jamison – The Wilds: Neues aus dem Innenleben der Ostküste
John Andrews & The Yawns – Bad Posture (2017)

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