Rettet das Echo!

Arnsberger_Wald_Sonnenaufgang

„Wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es heraus“ sagt der Volksmund und meint, dass alle Verfehlungen den Verantwortlichen irgendwann auf die Füße fallen. Der vermeintlich wichtigste deutsche Musikpreis trägt also einen Namen, der an poetischer Wahrheit kaum zu überbieten ist. Das Echo zum Echo zeigt nämlich auf, was in unserer Gesellschaft so alles erfolgreich resoniert. Das ist einerseits erschreckend, andererseits auch hochinteressant.

Die eigentliche Fehlkonstruktion besteht darin, dass der Echo alles auszeichnet, was da so resoniert. Das ist zum einen ungerecht, denn die Ausgezeichneten haben schon alles, wovon die meisten Musikschaffenden nur träumen können: Ein geregeltes Einkommen durch kommerziellen Erfolg. Zum anderen ist es schwachsinnig, denn die kommerziell erfolgreichsten Werke sind ja nicht automatisch die besten. Vor allem aber ist es traurig zu sehen, welche Musik am beliebtesten ist.

Es ist völlig falsch, die Integrität von in der Vergangenheit ausgezeichneten Personen jetzt danach zu beurteilen, ob sie nun medienwirksam ihre Echos zurückgeben oder nicht. Man sollte sie vielmehr fragen, warum sie es nötig hatten, das Ding überhaupt erst anzunehmen. War es jemals eine künstlerisch wertvolle Auszeichnung, den gleichen Preis zu bekommen wie die ganzen Arschlöcher, die dem Volk ihren akustischen Sondermüll andrehen?

Die hat es nämlich schon immer gegegeben und nicht wenige von ihnen hätten auch antisemitische Sprüche geklopft, wenn so etwas als ertragreiches Geschäftsmodell darstellbar gewesen wäre. Früher hätte der Handel den Schrott aus dem Regal nehmen müssen, die Aufmerksamkeitsblase durch den medialen Aufschrei wäre ohne Cashout zerplatzt. Doch heute wird Musik vorrangig über anonyme Plattformen wie Amazon, Spotify und Apple Music vertrieben, die sich einen Dreck um die Kritik scheren.

Wir brauchen heute mehr denn je ein Echo für die Musikindustrie in Deutschland, aber es muss ein differenziertes und wenn nötig auch ein vernichtendes Echo sein. Wir brauchen eine bis zum Anschlag beworbene Fernsehshow zur Primetime, in der Musikschaffende und kritische Medien einen rituellen Gesamtveriss dessen abhält, was kommerziell erfolgreich ist. Wir brauchen eine kathartische Zeremonie, die durch die Brutalität ihrer Kritik die monströsen Auswüchse des Battle-Raps als spätpubertäre Provokationen entlarvt.

Setzt die besten und streitbarsten Promis in die Jury, die es gibt: Emcke, von Rönne, Böhmermann, Polak, Westernhagen, wenn es sein muss auch Campino und vielleicht sogar Dieter Bohlen. Beschallt sie ein Wochenende lang mit der kommerziell erfolgreichsten Musik und lasst sie dann auf einem Podium darüber herfallen. Live vor der Kamera, vor einem Millionenpublikum im Fernsehen und online. Das wäre eine Echo-Verleihung, die den Namen verdient.

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