Madeline Kenney: Perfect Shapes (2018)

Vor nicht mal einem Jahr erschien das erste reguläre Album von Madeline Kenney, das aus heutiger Sicht eine Art Abschluss ihres Daseins als Mitglied der experimentellen Szene von Oakland darstellt. Für die Aufnahmen zu „Perfect Shapes“ zog sie nach North Carolina, um Abstand zu gewinnen und sich in die Arbeit an Songstrukturen und Arrangements zu vertiefen.

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Erschienen am 5. Oktober 2018 bei Carpark Records

Durham, North Carolina mausert sich immer mehr zur heimlichen Musikmetropole. Mit Merge Records ist ein Indie-Schwergewicht schon lange in der mittelgroßen Stadt nahe der renommierten Duke University zuhause. Nachdem ihr von Toro Y Moi produziertes Debüt floppte, ist Madeline Kenney vor kurzem aus Oakland zugezogen, um mit Jenn Wasner von Wye Oak im Studio von Sylvan Esso ihre Platte aufzunehmen. Ein Name-Dropping, das zahlreichen eingefleischten Indie-Nerds heiße Ohren bereiten dürfte.

Das Musikvideo zur Single „Overhead“ auf Youtube:

Musikalisch betritt Madeline Kenney auf Perfect Shapes ein Terrain, das von ihren neuen Freunden in Durham zuletzt schon ausgiebig erkundet wurde. Das Konzept, verträumten Gitarrenpop mit programmierten Drums und sanft blubbernden Flächen zu unterlegen ist zwar an sich nicht besonders innovativ. Allerdings hat die Produzentin Jess Wasner mit Wye Oak und ihrem Soloprojekt A Flock Of Dimes schon bewiesen, dass solche Arrangements bei songorientierter Anwendung genauso lebendig und dynamisch klingen können wie eine gut eingespielte Band.

Das Musikvideo zur Single „Cut Me Off“ auf Youtube:


Bemerkenswert ist deshalb auch, dass sich elektronische Beats und Schlagzeug beziehungsweise Gitarrenakkorde und Synthies so flüssig abwechseln, dass der Übergang gar nicht wirklich auffällt. Das liegt an der extrem geschmeidigen Produktion, vor allem aber auch an Madeline Kenney. Ihre Songs sind allesamt erste Wahl und verstehen es, dem instrumentalen Geschehen die Rolle einer akustischen Filmkulisse zuzuweisen. Das wird am deutlichsten im letzten Song „Always Around Me“, der nicht nur eine unwiderstehliche Melodieführung zu bieten hat, sondern eben auch eine enorme Dichte an Details. Diese gibt es zwar überall auf der Platte, sie ist jedoch beim ersten Durchgang aufgrund des etwas unübersichtlichen Geschehens erst beim seelenruhigen Finale hörbar. Nach diesem Schlüsselerlebnis fällt es deutlich leichter, die fantastische Tiefe dieses zunächst vielleicht etwas unscheinbaren Albums zu entdecken.

Das ganze Album auf Spotify:


Ähnliche Platten:
Nedelle Torrisi: Advice from Paradise (2015)
Art Feynman: Blast Off Through The Wicker (2017)
Amber Coffman: City of No Reply (2017)

Ein Gedanke zu „Madeline Kenney: Perfect Shapes (2018)“

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