H. Hawkline – I Romanticize (2017)

Für sein zweites Album hat sich der Waliser H. Hawkline Verstärkung von Landsfrau Cate Le Bon und Stella Mozgawa von Warpaint ins Studio nach LA geholt. Das Ergebnis ist eines zugänglichsten und besten Post-Punk-Alben der letzten Jahre.

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VÖ: 2.7.2017 auf Heavenly
Referenzen: Television, Robyn Hitchcock, The Stranglers, Metronomy
Stichworte: Abends / Regen / Bier / Freunde

Post-Punk ist auf dem Papier ungefähr so weit weg von Soft Rock wie Cardiff von Los Angeles. Trotzdem hat sich H. Hawkline mit seiner neuzusammengestellten Band aus Wales nach Kalifornien begeben und ein Album aufgenommen, das man nicht so einfach ignorieren kann. Schon nach der Vorab-Single “Engineers” war klar, dass der Sänger und Gitarrist zunehmend Vorbildern aus den späten 70s nacheifert, die teilweise auch unserer Zeit noch voraus sind. Das Geheimnis dieser mit dem Pop liebäugelnden Gegenbewegung zum rauen Punkrock ist der luftige Minimalismus, die Klarheit der Sounds und der Anschein von emotionaler Distanz.

Die legendäre Band Television aus New York wird sogar mit einem Songtitel bedacht, allerdings von einem der schwierigeren Songs auf dem Album. Zwischendurch häufen sich tatsächlich ein paar experimentelle Nummern, die den Rahmen der Platte ein wenig sprengen und beim entspannten Durchhören auch mal ein wenig nerven können. Nichtsdestotrotz ist das ingesamt eine runde Sache, die eigentlich ausreichend gute Ideen für zwei Alben in sich trägt. Einzelne Melodien und ein atmosphärischer Gesamteindruck prägen sich schon nach einmaligem Hören ein und richten sich tagelang in dem Teil des Musik-Gedächtnis ein, der auch als Zwischenspeicher für spontane Pfeif-Sessions dient. Gerade die Songs am Anfang und am Ende sind von einer Qualität und Charakterstärke, die man nicht nur heute sehr selten findet.

Slow Dancer – In a mood (2017)

Das Debüt-Album von Slow Dancer aus Melbourne macht aus Belanglosigkeit eine Tugend: Soft Rock im Stile der 70er und Bedroom-Pop von heute treffen sich auf halbem Wege um für 40 Minuten zu kuscheln. Das Ergebnis lässt sich nicht nur extrem gut durchhören, sondern enthält auch ein paar heimliche Hits.

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VÖ: 9.6.2017 auf ATO

Klingt fast ein bisschen wie: Boz Scaggs, Van Morrison, Christopher Cross
Stichworte: Abends / Sonne / Rotwein / Zu zweit

Wie aus dem Nichts tauchte dieses Album plötzlich auf ATO Records und in zahlreichen Musikmagazinen auf. Ein junger Australier namens Simon Okely hat es ganz allein in seinem Schlafzimmer in Melbourne eingespielt. Da würde man natürlich eher elektronische Spielereien und psychedelische Sounds erwarten, als perfektionistisches Pophandwerk und unmittelbare Eingängigkeit, wie sie zum Beispiel in Don’t Believe zu finden ist.

Slow Magic hat offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht und arbeitet sich im Laufe der Platte an einer ganzen Reihe offensichtlicher großer Vorbilder ab, deren berühmte Songs heute noch im Radio laufen. Viele Musiker haben in den letzten 40 Jahren schon versucht, diese Erfolgsformeln zu kopieren, meistens wirkten die Ergebnisse aber nur altmodisch und abgelutscht. Dass der junge Australier ganz alleine nicht nur das Level der Vorbilder erreicht , sondern dabei auch noch frisch und irgendwie zeitgemäß klingt, ist schon eine besondere Leistung. Vor allem aber ist sein Debüt-Album eine Wundertüte voller musikalischer Süßigkeiten und für überreizte Kennergaumen eine willkommene Dirty Pleasure.

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Nick Hakim – Green Twins (2017)

Auf seinem Debüt beweist Nick Hakim, dass Soul sich nicht immer an den goldenen Sechzigern orientieren muss. Mit Green Twins gelingt ihm nicht nur auf Anhieb ein fantastisches Album, sondern auch ein wichtiger Impuls für eine musikalisch zuletzt etwas stagnierende Szene.

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VÖ: 19.5.2017 auf ATO
Klingt fast ein bisschen wie: Shuggie Otis, Roy Ayers, The Foreign Exchange
Stichworte: Nachts / Regen / Cola / Zu Zweit

Obwohl er noch gar nicht so alt ist, kann man Nick Hakim fast als Spätstarter bezeichnen. Erst mit zwanzig Jahren begann er, intensiv Musik zu machen und einzelne Songs im Internet zu veröffentlichen. Nach drei Jahren Arbeit veröffentlicht der Sänger und Gitarrist nun endlich sein Debüt-Album, auf dem er die psychedelischen Abwege des Soul Mitte der Siebzigern nachspürt und diese teilweise mit elektronischen Mitteln von heute neu interpretiert.

Dabei ist nicht nur extrem stilvolle und entspannte Musik entstanden, sondern auch eine Entdeckungsreise in eine oft links liegen gelassene Spielart psychedelischer Popmusik. Das Interesse an Soul richtet sich heute fast ausschließlich auf die klassische Zeit um 1970 und den fetten, geradlinigen Vintagesound von Labels wie Stax und Motown. Ein Bereich, aus dem selbst zweit- und drittrangige Namen heute gerade bei Plattensammlern wohlbekannt und teilweise äußerst begehrt sind. Von den Künstlern, die später mit psychedelischen Sounds aus Synthesizern und Drumcomputern herumexperimentiert haben, sind nur noch eine Handvoll im Gespräch. Das ist sehr schade, aber vielleicht kann Nick Hakim mit seinem fantastischen und vor allem in den USA vielbeachteten Album dazu beitragen, dass dieser zu Unrecht in Vergessenheit geratene Seitenarm der Popmusikgeschichte wiederentdeckt wird.

Michael Nau – Some Twist (2017)

Ob mit Page France, Cotton Jones oder seit einem Jahr als Solokünstler: Wenn Michael Nau beteiligt ist, werden nicht nur eingefleischte Fans von psychedelisch angehauchtem Indie Folk glücklich. Auf Some Twist wagt er einige Ausflüge in soulige Gefilde und überzeugt damit auf der ganzen Linie.

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VÖ: 16.6.2017 auf Full Time Hobby
Klingt fast ein bisschen wie: Cotton Jones, Whitney, Otis Redding
Stichworte: Nachmittags / Sonne / Limonade / Mit Freunden

Erst vor etwas mehr als einem Jahr entschied sich Michael Nau, seine im Laufe seiner langen Karriere als Bandmusiker gesammelten Solowerke ab sofort unter einem neuen, eigenen Künstlernamen zu veröffentlichen. Obwohl es solchen Sammlungen häufig an Kohärenz mangelt, wurde die Platte mit dem vielsagenden Titel Mowing zu Recht auch als stimmiges Debütalbum wahrgenommen. Nun also das eigentliche Debüt mit neuem, eigens komponierten Material, das in Form der unglaublich eingängigen Vorab-Singles Good Thing und I Root angeteasert wurde.

Auf Some Twist bleibt sich der neue Michael Nau in vielerlei Hinsicht treu. Allerdings ist zu spüren, dass er sich teilweise wieder dem charakteristischen Sound seiner wohl erfolgreichsten Band Cotton Jones annähert, von dem er sich auf dem relativ trocken produzierten Debütalbum recht weit entfernt hatte. Nun schweben seine warme Stimme und die herrlich altmodischen Instrumente wieder in einem golden Film aus Hall und Staub, so als würde man die Welt durch eine alte Sonnenbrille sehen. Alles glitzert und knistert, so wie die Luft, das Wasser und der Boden an einem heißen Nachmittag auf dem Land. Zu den entspannt gleitenden Folknummern gesellen sich nun auch einige Songs, bei denen Michael am Mikrofon etwas mehr wagt und seinen reduzierten Texten die ein oder andere Extrasilbe zugesteht. Der Groove nimmt dann ein wenig an Fahrt auf und erinnert fast ein bisschen an alte Soulnummern. Durch diesen Schritt erhält das Album ein wenig mehr Tiefe als sein Vorgänger und eignet sich hervorragend, um sich zahlreiche Sommertage musikalisch zu versüßen.

5 Highlights, die du beim Maifeld Derby 2017 leider verpassen wirst

Wie es sich für ein Festival gehört, ist es auch beim Maifeld Derby 2017 unmöglich, alle Bands zu erleben, die man unbedingt erleben muss. Um euch die Entscheidungen noch schwerer und die Versäumnisse noch schmerzhafter zu machen, habe ich ein paar besondere Härtefälle zusammengestellt. Gern geschehen!

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TOPS fielen 2015 der Mittagssonne zum Opfer. Foto: Carina Huber / Marsmädchen

Jeder kennt das: Da hat man monatelang Line-Ups verglichen und schließlich schweren Herzens eine Niere vertickt, um genug Kohle für ein Ticket und den Rest zu haben. Und dann spielen ausgerechnet die zwei allerliebsten Lieblingsbands gleichzeitig auf den am weitesten voneinander entfernten Bühnen. Aber es gibt noch andere Gründe, die ersehnten Konzerterlebnisse zu verpassen. Vom Stau auf der Autobahn über die Schlange bei der Einlasskontrolle bis hin zur Alkoholvergiftung, deren Folgen am nächsten Tag und zu schönes oder zu schlechtes Wetter – das Repertoire ist grenzenlos. Bei Tops aus Kanada kamen 2015 so ziemlich alle Gründe zusammen, weshalb ich das Konzert auf der Fackelbühne bei strahlendem Sonnenschein um 14 Uhr gefühlt alleine genießen konnte. Und natürlich gibt es auch dieses Jahr ein paar heiße Kandidaten für den ultimativen Versäumnis-Fail:

1. Heim (D)
Freitag, 23.00 Uhr im Brückenaward-Zelt

Was verpasse ich da?
Ein paar junge Männer aus der bayrischen Provinz, die nicht nur mit ihrem Album “Palm Beach” (Tapete Records) den deutschsprachigen Post Rock neu erfunden haben, sondern auch eine der elektrisierendsten Livebands sind, die es im Moment gibt.

Warum verpasse ich das?
Vermutlich, weil du dich mit ein paar attraktiven Personen zum parallel angesetzten Bilderbuch-Konzert im Palastzelt verabredet hast und sie vergeblich “zwischen der zweiten und der dritten Säule” suchst.


2. Ryley Walker (USA)
Samstag, 22.10 Uhr im Parcours d’amour

Was verpasse ich da?
Stell dir vor, Van Morrison hätte kurz nach der Veröffentlichung von Astral Weeks einen Dreier mit Donovan und Nick Drake gehabt, und aus dieser Liebesnacht wäre ein gemeinsamer Sohn der drei hervorgegangen. Anders ist die Existenz von Ryley Walker nicht zu erklären.

Warum verpasse ich das?
Vielleicht bist du am Samstag um die Uhrzeit gerade so in Fahrt, dass du keine Lust hast, auf der Sitzplatztribüne des Reitstadions gemütlich zu chillen. Höchstwahrscheinlich suchst du aber immer noch nach diesem “Parcours d’Amour” und fragst dich, ob damit vielleicht die Flirtzone vor den Dixieklos gemeint sein könnte.


3. Mitski (USA)
Sonntag, 14.00 Uhr auf der Fackelbühne

Was verpasse ich da?
Eine japanischstämmige Singer/Songwriterin aus New York, die trotz ihres zarten Alters von gerade mal 26 Jahren auf vier großartige LPs zurückblicken kann und deshalb aus einer unglaublichen Menge von immer noch aktuellem Material die besten Festivalsongs herauspicken kann.

Warum verpasse ich das?
Vermutlich ist es am Samstagabend nicht bei zehn leckeren Maurerbomben von der Weschnitztaler Braumanufaktur geblieben. Natürlich hast du auf dem Rückweg noch alte Freunde getroffen, die dich dann überredet haben, auf einen Absager in die beliebte Kneipe “Zur Wüste” mitzukommen. Am Sonntag wachst du dann so gegen 15.00 Uhr auf und schaffst es leider nicht vor dem Schlussakkord von Spoon um 16.30 Uhr, einen halbwegs festivalkompatiblen körperlichen Zustand zu erreichen.


4. Whitney (USA)
Sonntag, 14.40 Uhr im Palastzelt

Was verpasse ich da?
Manche würden sagen: Vielleicht die beste Band des Festivals. Andere würden sagen: Nix. Auf jeden Fall verpasst du den vielleicht besten Schlagzeuger, der gleichzeitig Leadsänger seiner Band ist und so eine unglaubliche Dynamik in den folkigen bis souligen Indierock zaubert. Also vielleicht schon eher die beste Band des Festivals.

Warum verpasse ich das?
Sagen wir mal, du hast es tatsächlich geschafft, am Samstag bei fünfeinhalb Bier aufzuhören, vor drei Uhr ins Bett zu gehen und am Sonntag rechtzeitig aufzustehen und das Gelände zu erreichen. Willst du dich dann an einem strahlend schönen Nachmittag wirklich in das dunkle Palastzelt begeben? Ich nicht. Aber für Whitney mach ich’s wahrscheinlich doch.



5. Andy Shauf (CAN)

Sonntag, 19.30 Uhr im Parcours d’amour

Was verpasse ich da?
Schau dir das Video an, hör dir an was die spielen und vor allem wie. Andy und seine Freunde sind nämlich nicht nur die größten Nerds aller Zeiten, sondern spielen unfassbar ausgefuchsten Folk-Rock, der Beiläufigkeit und Perfektionismus auf ungeahnte Weise zusammenbringt.

Warum verpasse ich das?
Also dafür gibt es nun wirklich überhaupt keine ernstzunehmende Ausrede, oder musst du etwa deinen Papa zu seiner gleichzeitig auf der Fackelbühne spielenden Lieblingsband Primal Scream begleiten? Wir wollen es mal nicht hoffen…


Natürlich sind die meisten Versäumnisse vermeidbar. Alles eine Frage der Disziplin, Organisation und sorgfältigen Abwägung. Aber wollen wir auf einem Festival diszipliniert und organisiert sein oder irgendetwas sorgfältig abwägen? Nein, wir wollen uns vollsaufen, zufällig neue Bands entdecken und den ein oder anderen sozialen Moment erleben – was auch immer das im einzelnen heißen mag. Und dabei kommt zwangsläufig heraus, dass wir auch mal etwas verpassen, dass uns dann hinterher alle als heißesten Scheiß aller Zeiten unter die Nase reiben. Das ganze Leben ist nicht viel mehr als eine unendliche Aneinanderreihung von Versäumnissen, jedenfalls wenn man seinen Fokus auf die verpassten Gelegenheiten richtet.

Vielleicht werde ich mich irgendwann damit abfinden, aber dafür ist auch noch nächste Woche Zeit. Bis dahin genieße ich erst mal, wie ein Bessesener den Timetable zu studieren und die wichtigsten Bands als Termin mit Vorwarnung in mein Handy einzugeben. Noch habe ich nix verpasst!


Disclaimer: Dieser Artikel beabsichtigt nicht, Kritik an der Planung des Festivals zu führen. Überschneidungen und die Platzierung von attraktiven Bands in unattraktiven Slots sind bei einer Programmgestaltung in dieser Größenordnung unvermeidlich.

Big Thief – Capacity (2017)

Nur ein Jahr nach ihrem überragenden Debütalbum bringen Adrienne Lenker und ihre Freunde schon die zweite Platte heraus. Wenn sie weiterhin so gute Songs schreibt, darf das Quartett diesen Rhythmus gerne beibehalten.

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VÖ: 9.6.2017 auf Saddle Creek
Klingt fast ein bisschen wie: Angel Olson, PJ Harvey, Mitski
Stichworte: Nachts / Regen / Whisky / Alleine

Es ist etwas ungewöhnlich, dass eine Band weniger als ein Jahr nach ihrem Debüt ein zweites Album veröffentlicht. Wer die Produktionszeiträume kennt, kann sich denken, dass große Teile des Nachfolgers schon vor der Veröffentlichung des Erstlings im Kasten gewesen sein müssen. Die Sängerin Adrienne Lenker erklärte das in Interviews mit einem kreativen Knoten, der im Studio geplatzt sei. Als das erste Album fertig eingespielt war, hatte sie schon wieder ein gutes Dutzend Songs im Kopf und wollte einfach weiter aufnehmen, bevor es wieder auf Tour ging. Als im April mit Erscheinen der Vorabsingle Mythological Beauty auch gleich das neue Album angekündigt wurde, war die Überraschung groß. Und gleichzeitig musste man befürchten, dass die Band sich verzockt hatte, denn der Song ist ein wenig langatmig, sehr düster und passte mit seinem winterlichen Video überhaupt nicht zur Frühlingsstimmung vor Ostern.

Mit dem Erscheinen der zweiten Single Shark Smile deutete sich dann aber bereits an, dass Big Thief da weitermachen, wo sie aufgehört hatten. Und nun machte auch die erste Vorabsingle Sinn, denn offensichtlich ging es bei der Auswahl vor allem darum, die Entwicklung der Band exemplarisch darzustellen. Die traditionell geschulte, aber extrem kreative Gitarrenarbeit trägt weiterhin die mehr oder weniger folkigen Indie-Rocksongs, die jeweils passend zu den poetisch formulierten Gedanken und Geschichten im Text sowohl melancholisch als auch euphorisch ausfallen können. Doch die dunklen Farben sind noch dunkler geworden und die hellen noch heller, die Intimität und Intensität der Texte ist noch extremer.

Eine schonungslose Auseinandersetzung mit sich selbst in der Musik wirkt bei vielen Künstlern befremdlich, nicht so aber in diesem Fall. Denn obwohl Adrienne Lenker erst 25 Jahre alt ist, hat sie schon eine Menge erlebt und musste sich alle Freiheiten, die ein Leben als Musiker verlangt, hart erkämpfen. Die tragischen Seiten ihrer fast romanhaften Vita, aber auch das große Glück, das sie in ihrer Arbeit erfährt, spiegelt sich in jedem Ton und jedem Takt der Musik wieder. Und wenn es so weitergeht mit der Inspiration, darf sie mit Big Thief gerne jedes Jahr ein neues Album veröffentlichen.

Tops – Sugar at the Gate (2017)

2014 gelang den Mädels und Jungs von TOPS auf ihrem zweiten Album mit sonnigem Gitarrenpop der internationale Durchbruch. Inzwischen haben sie sich noch mal deutlich weiterentwickelt, glücklicherweise ohne ihre ansteckende Leichtigkeit einzubüßen.

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VÖ: 2.6.2017 auf Arbutus
Klingt fast ein bisschen wie: Fleetwood Mac, Tennis, Widowspeak
Stichworte: Nachmittags / Sonne / Kaffee / Mit Freunden

Drei Jahre Pause, ein Besetzungswechsel, ein Umzug aus der Heimat nach LA. Das sind nicht gerade die idealen Umstände für eine Band, um an den plötzlichen Erfolg mit einem grandiosen, aber auch sehr unbekümmerten Album wie Picture You Staring anzuknüpfen. Die Befürchtung lag nahe, dass sich die Truppe um Jane Penny verzettelte, dass sie sich vom Leben in der Großstadt ablenken ließ oder, noch schlimmer, alles ganz anders und womöglich schlechter zu machen als zuvor. Mit dem Erscheinen der zuckersüßen Vorab-Single Petals waren aber alle Zweifel schnell eliminiert. TOPS haben das Kunststück fertig gebracht, sich treu zu bleiben und trotzdem noch besser zu werden.

Und auch das Album hält was es verspricht: Superentspannter Gitarrenpop und intelligentes Songwriting treffen auf eine gesunde Portion schräge Ideen, die nicht nur in den Videos, sondern auch in den Texten und den Arrangements ihr unterhaltsames Unwesen treiben. Das ist einerseits grundsympathisch, andererseits aber auch ein notwendiger Gegenpol zu der Unmenge an musikalischem Honig, der einem entgegenfließt. Dabei ist die Produktion merklich rauer und weniger in sepiafarbene Vintage-Hallfahnen getaucht als bisher, der Gesang ist entweder hochaufgelöst direkt in unserem Ohr oder kommt leicht verzerrt aus dem Nebenraum. Clevere Kontraste dieser Art geben dem Ganzen eine erstaunliche Tiefe, die immer wieder zum erneuten Hören einlädt. Ein überzeugendes Album und ein nächster Schritt einer unglaublich talentierten Band auf dem langen Weg aus der Indie-Nische in die erste Liga der avancierten Popmusik für Erwachsene.