Aldous Harding – Party (2017)

Aldous Harding aus Neuseeland hat auf ihrem zweiten Album einen Riesensprung gemacht. Ihre minimalistisch arrangierten Folksongs sind nicht nur extrem leise und dunkel, sondern auch dynamisch und voller Leben.

Party

VÖ: 19.5.2017 auf 4AD
Klingt fast ein bisschen wie: Nico, Weyes Blood, Andy Shauf
Stichworte: Nachts / Regen / Rotwein / Alleine

Neuseeland ist immer noch ein bisschen das unentdeckte Land der englischsprachigen Popwelt. Aldous Harding wird das nicht alleine ändern können, aber der berechtigte Hype um ihr zweites Album Party ist zumindest mal wieder so etwas wie ein Lebenszeichen. Während ihr selbstbetiteltes Debüt 2015 noch unter dem etwas gekünstelten Etikett “Gothic Folk” gelitten hatte, ist ihr mit Songs wie Imagining My Man der Übergang zu einer selbstbewussten Künstlerpersönlichkeit gelungen.

Wäre da nicht diese glasklare, mikroskopisch genaue Produktion, könnte diese Musik direkt aus der dunkleren Hälfte der britischen Folkszene aus den 60ern kommen. Ein guter soundtechnischer Kniff, um übertriebene Retromanie zu vermeiden und nicht nur den besonderen Charakter von Aldous Hardings Stimme und Phrasierung, sondern auch die extrem detailverliebte Kammer-Instrumentierung und die daraus resultierende Intimität herauszuarbeiten. So gelingt ein Album, dass den anhaltenden Trend zu altmodischer Hallsuppe und Lo-Fi mutig links liegen lässt und trotzdem oder gerade deshalb mit seiner zeitlosen Schönheit aus der Masse der Veröffentlichungen in diesem Bereich herausragt.

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D.D Dumbo – Utopia Defeated (2016)

DD Dumbo

VÖ: 7.10.2016 auf 4AD/Liberation Music
Klingt fast ein bisschen wie: Sting, Yeasayer, Flock of Dimes, David Byrne
Passt gut zu: Autobahn, Sonnenaufgang, Kaffeebecher

Ein weiteres faszinierendes Debüt aus dem Jahre 2016 kommt von Oliver Hugh Perry, einem jungen Multi-Instrumentalisten und Musikgenie aus der australischen Provinz. Viele Musiker, die derart mit Talent gesegnet sind, verlieren sich im Zwang zur Progressivität, im Zurschaustellen ihrer Virtuosität oder brauchen Jahre, um ihre Kreativität unter Kontrolle zu bringen und für uns Musikhörer erfassbar zu machen. So etwas passiert hier nicht, denn hinter dem seltsamen Namen mit der noch seltsameren Interpunktion verbirgt sich ein unglaublich ausgereiftes Einmann-Bandprojekt, dass sich vor allem auf die extrem ausdrucksstarke Stimme und die charakteristische zwölfsaitige Gitarre konzentriert. Die Arrangements sind extrem detailreich, aber keineswegs aufdringlich und machen aus ohnehin schon großartigen Songs kleine popmusikalische Kunstwerke. Ein grandioses Debüt und vermutlich eine der besten Platten des Jahres 2016.