Art Feynman – Blast Off Through The Wicker (2017)

Als Sänger der Band Here We Go Magic und solo unter seinem bürgerlichen Namen hat Luke Temple schon mit zahlreichen, mehr oder weniger folkig angehauchten Platten Erfolg. Nun erfindet er sich noch mal neu und verzaubert uns mit kunstvoll gebastelten Songs, die zwischen verträumten und verspulten elektronischen Sounds pendeln.

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VÖ: 14.7.2017 auf Western Vinyl Records
Klingt fast ein bisschen wie: Arthur Russel, sir Was, Aero Flynn, The Frightnrs
Schlagworte: Nachts / Regen / Tee / Alleine

Dass Luke Temple ein begnadeter Songwriter, Gitarrist und Sänger ist, ist keine Neuigkeit. Überraschend ist eher, wie weit er sich unter seinem neuen Künstlernamen von seiner bisherigen musikalischen Comfort Zone entfernt. Als Art Feynman tauscht er seine Gitarrensammlung gegen eine Armada aus Synthesizern und Drum Machines, die klassischen Songstrukturen gegen ausufernde Loops und das Storytelling gegen assoziativ strömende Textfragmente. Dabei greift er unter anderem auf Modelle aus der elektronischen Musik und aus afrikanischen Kulturen zurück, was dem Ganzen einen zeitlosen, globalen und futuristischen Charakter gibt.

Das Video ist in höchstem Maße passend, denn die Musik zieht in einer gewissen emotionalen Distanz an uns vorbei wie das Nachtleben einer Metropole bei der Fahrt auf der Stadtautobahn. Und bis auf wenige Ausraster, bei denen die Experimente am Keyboard oder an der E-Gitarre ein wenig zu weit gehen, ist dabei aber eine extrem gut hörbare Platte entstanden. Der wilde Stilmix wird von einem sehr individuellen und persönlichen Charakter der Musik stimmig zusammengehalten. Man darf gespannt sein, ob und wie dieses Album überhaupt auf der Bühne umsetzbar ist, aber in aufgenommener Form stellt es durchaus eine einzigartige Produktion von besonderem künstlerischen Wert dar.

Slow Dancer – In A Mood (2017)

Das Debüt-Album von Slow Dancer aus Melbourne macht aus Belanglosigkeit eine Tugend: Soft Rock im Stile der 70er und Bedroom-Pop von heute treffen sich auf halbem Wege um für 40 Minuten zu kuscheln. Das Ergebnis lässt sich nicht nur extrem gut durchhören, sondern enthält auch ein paar heimliche Hits.

SlowDancer
VÖ: 9.6.2017 auf ATO

Klingt fast ein bisschen wie: Boz Scaggs, Van Morrison, Christopher Cross
Stichworte: Abends / Sonne / Weißwein / Zu zweit

Wie aus dem Nichts tauchte dieses Album plötzlich auf ATO Records und in zahlreichen Musikmagazinen auf. Ein junger Australier namens Simon Okely hat es ganz allein in seinem Schlafzimmer in Melbourne eingespielt. Da würde man natürlich eher elektronische Spielereien und psychedelische Sounds erwarten, als perfektionistisches Pophandwerk und unmittelbare Eingängigkeit, wie sie zum Beispiel in Don’t Believe zu finden ist.

Slow Magic hat offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht und arbeitet sich im Laufe der Platte an einer ganzen Reihe offensichtlicher großer Vorbilder ab, deren berühmte Songs heute noch im Radio laufen. Viele Musiker haben in den letzten 40 Jahren schon versucht, diese Erfolgsformeln zu kopieren, meistens wirkten die Ergebnisse aber nur altmodisch und abgelutscht. Dass der junge Australier ganz alleine nicht nur das Level der Vorbilder erreicht , sondern dabei auch noch frisch und irgendwie zeitgemäß klingt, ist schon eine besondere Leistung. Vor allem aber ist sein Debüt-Album eine Wundertüte voller musikalischer Süßigkeiten und für überreizte Kennergaumen eine willkommene Dirty Pleasure.

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