Bobbie Gentry – Ode to Billie Joe (1967)

Bobbie Gentry hatte Ende der Sechziger Jahre kurzzeitig enormen Erfolg mit ihrer Mischung aus Country und Blues. Fünfzig Jahre nach dem Erscheinen ihres berühmtesten Albums ist es an der Zeit, diese unglaublich atmosphärischen Songs voller Südstaatenflair endlich wiederzuentdecken.

odetobilliejoe

VÖ: September 1967 auf EMI
Referenzen: Joan Baez, Bedouine, Janis Joplin
Stichworte: Abends / Herbstwetter / Wein / Zu zweit

Vor 50 Jahren erfolgte durch eine Revolution in der Aufnahmetechnik ein gewaltiger Kreativitätsschub in der Popmusik. Bands wie die Beach Boys oder die Beatles fingen an, Songs im Studio Spur für Spur zusammenzubasteln. So entstanden surrealistische Kunstwerke wie die Alben “Pet Sounds” oder “Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band”. Letzteres wurde in den USA im Herbst 1967 als Nummer eins der Album-Charts von Bobbie Gentry abgelöst, einer jungen Sängerin aus den Südstaaten, die “schwarzen” Soul und “weißen” Country verband.

Da Bobbie Gentry wenige Jahre später überraschend ihre Karriere beendete und sich aus der Öffentlichkeit zurückzog, ist sie heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Vielleicht ist der 50. Geburtstag ihrer erfolgreichsten Platte ja ein erster Anstoß zur Wiederentdeckung dieser beeindruckenden Sängerin. In einer Zeit, als Frauen zumindest als Songwriterinnen noch die absolute Ausnahme waren, nimmt sie selbstbewusst in der riesigen Lücke zwischen dem aristokratischen Folk einer Joan Baez und dem eruptiven Blues von Janis Joplin Platz.

 

 

 

Hall & Oates – Abandoned Luncheonette (1973)

VÖ: 3.11.1973 auf Atlantic
Klingt fast ein bisschen wie: Blood, Sweat & Tears, The Faces, Pink Floyd
Passt gut zu: Samstagmorgen, Kaffeeduft, Apfelkuchen 

Daryl Hall & John Oates sind allgemein eher für ihre späteren Hits wie Kiss on my list, Out of touch und Maneater und die entsprechend kitschige Produktion bekannt. Umso überraschender ist, was sie auf ihren früheren Alben und besonders auf diesem hier abziehen. 1973 agierten die beiden als Doppelspitze einer perfekt eingespielten Band in klassischer Besetzung und hatten bereits ein zuverlässiges Näschen für Ohrwürmer an der Schnittstelle zwischen Rock, Soul und Pop. Aber wo sie später alles auf den Refrain ausrichten, nehmen sie hier fast überall lohnenswerte Umwege in Richtung Lagerfeuer, Blueskneipe oder sogar in die unendlichen Weiten des Psychedelic Rock.

Aus heutiger Sicht eröffnet uns diese extrem facettenreiche Platte ein Fenster in ein kommerzielles Hitlabor in seiner kreativen Frühphase. Damit steht es emblematisch für die Entwicklung der Musikindustrie in einer Phase, als der wilde Westen schon vorbei war, die fortschreitende Professionalisierung aber noch nicht in die Serienproduktion von Musikgütern umgeschlagen hatte. Schade, dass die zwei diesen Prozess später so radikal mitgemacht oder sogar mitgestaltet haben und dann relativ sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden sind.