Buck Meek: Buck Meek (2018)

Als schrulliger Gitarrist von Big Thief ist Buck Meek spätestens seit dem grandiosen Auftritt bei NPR’s Tiny Desk Concert bekannt. Auf seinem Debüt als Solokünstler überzeugt er aber vor allem als poetischer Songwriter mit Blick für alltägliche Abgründe.

Buck Meek Album on Keeled Scales

Erschienen am 18. Mai 2018 bei Keeled Scales

Wer ausgiebiges Gegniedel auf der elektrischen Gitarre wie bei seiner Arbeit für Big Thief erwartet hat, wird vielleicht ein bisschen enttäuscht sein. Denn das erste Album von Buck Meek auf dem geschmackvollen texanischen Label Keeled Scales definiert den Topos des betont beiläufigen Klampfenspiels neu. Die Songs sind eher spärlich instrumentiert, nasal am Mikrofon vorbeigenuschelt und enden gefühlt mitten in der dritten Strophe auf irgendeinem Akkord. Das wirkt oft nicht nur skizzenhaft, sondern auch wie ein Intro zu einem Song, der dann doch nicht kommt. Die kalkulierte Unfertigkeit mag für manche Hörer unbefriedigend sein, entwickelt aber durchaus seinen ganz eigenen Reiz.

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Hier und da kriegt Buck Meek allerdings locker die Kurve und hat mit Cannonball und Maybe sogar zwei kleine Hits im Gepäck, die eine grandiose Chemie innerhalb der Band einfangen und ordentlich rocken. Neben dem Slowmo-Blues Sue und der abschließenden Countryballade Fool me sind es außerdem die einzigen Nummern, bei denen die Miniaturlänge von zweieinhalb Minuten überschritten wird. Insgesamt ein sehr kurzes, aber auch kurzweiliges und intensives Album, in dem ganz unscheinbar genug gute Ideen für ein Doppelalbum versteckt sind.

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Hier könnt ihr weiterhören:
OCS – Memory of a cut off head: Verspultes Folk-Vergnügen

Big Thief – Capacity (2017)
Big Thief – Masterpiece (2016)

Twain – Rare Feeling: Musik an der Schwelle zur Magie

Auf seinem letzten Album „Life labors in the choir“ hat sich Twains unglaubliche Energie 2014 zum ersten Mal so richtig entladen. Mit „Rare Feeling“ balanciert er wieder auf dem schmalen Grat zwischen melancholischem Folk und herzzerreißendem Blues.

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20.10.2017 / Keeled Scales

Wenn Musik als existenzielle Ausdrucksform empfunden wird, ist das oft nicht nur für das Publikum eine Herausforderung. Twain hat jahrelang mit seiner Musik gehadert, sich in Projekten und Kollaborationen verheddert, alles versucht und alles aufgegeben, nur um sich 2014 mit Life labors in the choir wie aus dem Nichts ein Denkmal für die Ewigkeit zu setzen. Da kein Label bereit war, dieses monumentale Album zu verlegen, ruinierte sich Twain temporär durch die Entscheidung, es auf eigene Kosten zu wagen.

Das letzte Album wurde direkt auf Tape aufgenommen

Doch nach und nach wollten immer mehr Leute diese Platte, die wie im Rausch direkt auf Tape aufgenommen wurde und auf dem Weg ins Presswerk nie digitalisiert wurde. Heute ist die erste Auflage schon lange ausverkauft und sehr begehrt. Und weiterhin ist die Suche nach Direktheit und Unberührtheit der Musik ein großes Anliegen, deshalb gibt es etwa auch keine produzierten Musikvideos von den Songs des neuen Albums. In den improvisierten Sessionaufnahmen ist man ganz nah dran an der fabelhaften Stimme, am Menschen, seinen Songs und seiner Geschichte.

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Diese puristische Intensität wäre auf Albumlänge vielleicht ein wenig zu viel. Deshalb hat sich Twain auch diesmal wieder lange mit den Arrangements herumgeschlagen, die nun die Essenz der Songs noch besser erfahrbar machen. In etwa so, wie ein Schluck Wasser einen allzu sperrigen Whisky eben nicht verwässert, sondern erst so richtig zur Entfaltung bringt. Die gleiche Notwendigkeit zeigt sich außerdem in der eigenartigen Angewohnheit, die Songs an bestimmten Stellen eine Weile anzuhalten. Immer wieder gibt es Phasen, in denen nichts passiert, in denen Erholung möglich ist. Doch dann geht es weiter, und selbst das sanfte Anrollen der Gitarre erscheint wie eine heftige Explosion.

Mit dem neuen Label Keeled Scales geht es hoffentlich weiter bergauf

Man darf Twain beglückwünschen, denn er hat sich durch schwere Zeiten gekämpft und ist dabei als Musiker immer kompromisslos seinen Weg gegangen. Mit einem aufstrebenden Label wie Keeled Scales im Rücken sollte es ihm nun endlich gelingen, in der Öffentlichkeit eine adäquate Würdigung seines immensen Talents, seiner einzigartigen Persönlichkeit und vor allem seiner fantastische Musik zu erzielen. Denn Twain ist einer der ganz wenigen Musiker, die mit handwerklichen Fähigkeit und unbedingtem Gestaltungswillen den Zwischenschritt in die komplexe Sphäre der Kunst einfach überspringen und direkt auf die Welt der Magie zugreifen.

https://open.spotify.com/album/7Lzc47VySqQYLS2ZR1bi5M