Sea Moya – Falmenta (2018)

Vor kurzem haben Sea Moya den Sprung ins kanadische Montreal gewagt. Also in die Musikmetropole, die ihre ehemalige Homebase Mannheim eines Tages sein will. Und obwohl ihr Debüt-Album Falmenta im gleichnamigen italienischen Alpenörtchen entstand, ist es musikalisch eher im kosmopolitischen Dschungel der Großstadt zuhause.

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Erschienen am 12. Oktober 2018 bei Majestic Casual Records
Auf Tour in Europa vom 9. November 2018 bis zum 12. Januar 2019

Sie sind viel unterwegs, die Jungs von Sea Moya. Schon ihre beachtliche EP Baltic Seas handelte von einer sommerlichen Entdeckungsreise, auf der die Band sich von weiten Küstenlandschaften inspirieren ließ. Vor dem mutigen Umzug auf die andere Seite des großen Teichs hat sich das Trio für die Produktion der ersten LP für ein paar Wochen in einem Chalet im Piemont eingeschlossen. An ländliche Idylle, Alpenpanoramen oder Hüttenromantik lässt die Platte jedoch an keiner Stelle denken. Von den Bedingungen der Aufnahmen zeugt eher die besondere Konzentration und klangliche Hermetik, die sich zwischen den stoisch rollenden Drums, schwebenden Synthie-Klängen und weit aufgespannten Melodiebögen einstellt.

Das Musikvideo zur Single „Purple Days“ auf Youtube:

Musikalisch leben Sea Moya seit jeher ein bisschen auf ihrem eigenen Planeten. Ein Großteil der stilistischen Elemente wirkt entfernt vertraut, die Zusammensetzung und Verarbeitung scheinen aber nicht den gängigen Naturgesetzen zu gehorchen. Insbesondere die Gravitation formaler Modelle scheint überwunden: Um ihre musikalischen Ideen zu transportieren, brauchen Sea Moya keine offensichtlichen Songstrukturen, keine Entwicklungslogik wie weite Teile der elektronischen Musik und auch keine dogmatische Krautrock-Esoterik. Die Unterbrechungen zwischen den Titeln wirken deshalb wie natürliche Denkpausen in einem durchgehenden Stream of Consciousness, der sich nicht nur zum aufmerksamen Zuhören eignet, sondern auch hervorragend als Begleitmusik zum Arbeiten, Lesen oder Autofahren. Es gibt wenige Platten, die das Credo dieser Seite von der Überflüssigkeit von Mood-Playlists so deutlich und formschön unterstreichen.

Das ganze Album auf Spotify:


Passende Platten für danach:

Halo Maud – Je Suis Une Île (2018)
Hoops – Routines (2017)
Art Feynman – Blast Off Through The Wicker (2017)

Maifeld Derby 2018: 5 Highlights, die noch richtig underground sind

Das Maifeld Derby steht kurz bevor und die Headliner sind wohlbekannt. Aber was machen wir am Samstagnachmittag oder wenn es vor den großen Bühnen so voll wird, dass man einfach mal eine Pause vom Trubel braucht? Hier gibt es den ultimativen Guide zu den diesjährigen Geheimtipps des beliebten Festivals in Mannheim!

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Foto: Bal

Wer die Headliner und die angesagtesten Bands des Jahres sind, kann jeder auf dem Plakat ablesen. Festivals wie das Maifeld Derby leben aber auch von den Neuentdeckungen, den Außenseitern und Local Heros, die sich abseits der Rush Hour einen Wolf spielen. Es gibt nicht wenige Musikfreaks, die ihre besten Erlebnisse am frühen Nachmittag oder auf einer kleinen Bühne haben. Und das bei Konzerten von Bands, deren Namen sie zuvor niemals gehört hatten. Als kleine Motivationshilfe gibt es hier dieses Jahr deshalb die Best of never heard before: Für alle, die mehr wollen als nur ein paar Lieblingsbands an einem Wochenende zu sehen und dazwischen am Bierstand herumzulungern. Denn das reicht nicht, um in ein paar Jahren den Max zu machen und zu behaupten, dass man den Grammy-Gewinner schon damals auf dem Maifeld gesehen hat!

1. GREAT NEWS (Norwegen)

Außer Öl und Lachs kam schon lange nichts mehr mit Substanz aus Norwegen. Mit Great News ändert sich das, denn die Jungs aus Bergen klingen wie eine Kreuzung aus The War on Drugs und den Simple Minds. Gleichzeitig mit der coolsten und der uncoolsten Bands aller Zeiten verglichen werden, ist alleine schon eine große Leistung. Noch geiler ist höchstens, dass Synthie-Bombast und treibender Panorama-Rock sich hier durchaus erfolgreich paaren und emotional für multiple Höhepunkte sorgen. Spätestens mit diesem Konzert sollte man also am Freitagabend das Wochenende einläuten!

Wann kommt der Durchbruch: Genau jetzt. Nein, jetzt. Oder doch erst jetzt.
Slot: Fackelbühne / Freitag, 18:40-19:20



2. FENNE LILY (England)

Introvertierte Klänge kommen im Festivalkontext leider oft zu kurz. Im Zweifelsfall passt die Band mit den lauten Gitarren und dem geilen Schlagzeuger nun mal einfach besser zum Alkoholpegel. Deshalb wird es auch bei Fenne Lily weiter oben auf der Tribüne ein reges Kommen und Gehen geben, das die aufmerksam lauschenden Musikliebhaber zur Weißglut treiben wird. „Lass ma hinsetzen“ sagt da jemand und bekommt ein müdes „Nee, da penn ich ein“ zur Antwort, dann wird noch ein bisschen diskutiert, nur um letzten Endes doch wieder Richtung Mainstage bzw Bierstand zu verschwinden. Tipp: Einfach mal vorne hinsetzen, Fresse halten und zuhören!

Wann kommt der Durchbruch: Auf Spotify schon eingetütet
Slot: Parcours D’Amour / Freitag, 20:55 – 21:45


FIBEL (Mannheim)

Wer bei diesem Song nicht anfängt zu tanzen, hat weder Herz noch Beine. Und wer bei dieser Stimme und dem euphorisierenden Vortrag nicht an die glorreichen Zeiten von Maxïmo Park denkt, hat Paradeiser auf den Ohren. Aber FIBEL sind nicht nur Mannheims Antwort auf britischen Indie-Post-Punk und Wiener Schmäh, sondern vor allem eine extrem mitreißende Live-Band. Das wird ordentlich fetzen, trotz der frühen Uhrzeit!

Wann kommt der Durchbruch: Am Samstag, den 16.6.2018 um 15 Uhr
Slot: Fackelbühne / Samstag, 14:20 – 15:00


THIS IS THE KIT (England)

Wenn eine Wette läuft, welches das schönste Konzert auf dem Maifeld Derby 2018 wird, ist das hier wahrscheinlich der heißeste Tipp. Ein langer Tag in der Sommerhitze ist vorbei, der Sonnenuntergang hängt noch mit einem Zipfel am Horizont. Was gibt es dann besseres als einen Sitzplatz auf der Tribüne, ein kühles Bier und grandiose Folksongs zum Zuhören und Genießen? Danach steht dann fast zur Diskussion, ob man den Tag einfach abhakt und nach Hause radelt, um am Sonntag wieder früh fit zu sein.

Wann kommt der Durchbruch: Nach dem nächsten Album
Slot:
Parcours D’Amour / Samstag, 22:00 – 23:00


BAL (Heidelberg)

Letztes Jahr haben die vier mit ihrem psychedelischen Indie-Rock beim Brückenaward den Sit-In zum Sonnenuntergang in eine wilde Tanzfläche verwandelt. Folgerichtig dürfen sie dieses Jahr auch im gleichnamigen Zelt auf dem Maifeld Derby ran, um die verkaterte Sonntags-Crowd wieder aufzurichten. Sagen wir mal so: Wenn das jemand schaffen kann, dann die sympathischen Slacker von BAL.

Wann kommt der Durchbruch: Wahrscheinlich nie, aber das ist auch gut so
Slot: Brückenaward Zelt / Sonntag, 14:40 – 15:30