Nick Hakim – Green Twins (2017)

Auf seinem Debüt beweist Nick Hakim, dass Soul sich nicht immer an den goldenen Sechzigern orientieren muss. Mit Green Twins gelingt ihm nicht nur auf Anhieb ein fantastisches Album, sondern auch ein wichtiger Impuls für eine musikalisch zuletzt etwas stagnierende Szene.

Nickhakim

VÖ: 19.5.2017 auf ATO
Klingt fast ein bisschen wie: Shuggie Otis, Roy Ayers, The Foreign Exchange
Stichworte: Nachts / Regen / Cola / Zu Zweit

Obwohl er noch gar nicht so alt ist, kann man Nick Hakim fast als Spätstarter bezeichnen. Erst mit zwanzig Jahren begann er, intensiv Musik zu machen und einzelne Songs im Internet zu veröffentlichen. Nach drei Jahren Arbeit veröffentlicht der Sänger und Gitarrist nun endlich sein Debüt-Album, auf dem er die psychedelischen Abwege des Soul Mitte der Siebzigern nachspürt und diese teilweise mit elektronischen Mitteln von heute neu interpretiert.

Dabei ist nicht nur extrem stilvolle und entspannte Musik entstanden, sondern auch eine Entdeckungsreise in eine oft links liegen gelassene Spielart psychedelischer Popmusik. Das Interesse an Soul richtet sich heute fast ausschließlich auf die klassische Zeit um 1970 und den fetten, geradlinigen Vintagesound von Labels wie Stax und Motown. Ein Bereich, aus dem selbst zweit- und drittrangige Namen heute gerade bei Plattensammlern wohlbekannt und teilweise äußerst begehrt sind. Von den Künstlern, die später mit psychedelischen Sounds aus Synthesizern und Drumcomputern herumexperimentiert haben, sind nur noch eine Handvoll im Gespräch. Das ist sehr schade, aber vielleicht kann Nick Hakim mit seinem fantastischen und vor allem in den USA vielbeachteten Album dazu beitragen, dass dieser zu Unrecht in Vergessenheit geratene Seitenarm der Popmusikgeschichte wiederentdeckt wird.

Homeshake – Fresh Air (2017)

VÖ 3.2.2017 auf Captured Tracks / Sinderlyn
Namedropping: Prince, Toro y moi, Silk Rhodes
Passt gut zu: Verkaterten Nachmittagen im Bett mit optionalem Schäferstündchen

Als Gitarrist von Mac DeMarco bei einem Album hat Peter Sagar wahrscheinlich anteilig mehr Platten verkauft als in seiner ganzen Solokarriere zusammen. Das ist irgendwie verständlich, aber auch extrem schade. Denn die Musik von Homeshake ist nicht nur verspult bis visionär, sondern nach einer kurzen Eingewöhnungsphase auch wahnsinnig schön, entspannend und inspirierend. Nachdem Peter sich auf Midnight Snack (2015) mit den Freuden der nächtlichen Zwischenmahlzeit widmete, scheint beim neuen Album deutlich mehr Tageslicht durch die luftigen Gebilde aus R&B-Beats, verstreuten Gitarrenakkorden und ausgedehnten Melodiebögen.